Erkältung vorbeugen: Was hilft, und was du dir sparen kannst

Erkältung vorbeugen: Wenn man Taschentücher braucht, ist es zu spät

Geht es dir zur Erkältungssaison wie mir? Wann immer jemand in meiner Umgebung schnieft, ergreife ich die Flucht. Ich meine das nicht im übertragenen Sinn, sondern wörtlich: Ich weiche zurück. Habe ich mich verabredet, rufe ich kurz vorher noch einmal an. Zur Kontrolle. Krächzt mein Date oder murmelt etwas von „Mir geht es nicht so gut“, sage ich ab. Denn: Erkältung vorbeugen hat für mich von September bis April eine sehr hohe Priorität.

Seit ich mich über die Ansteckungswege mit Schnupfenviren informiert habe, setze ich mich in der U-Bahn täglich mindestens einmal um, um potentiellen Virenschleudern zu entgehen. Auf keinen Fall soll mich jemand anhusten.

Wegen der langen Inkubationszeit: misstrauisch sein

Ich gebe auch niemandem mehr die Hand, dessen Gesundheitszustand ich nicht einschätzen kann. Geschweige denn, dass ich jemanden mit Bussi-Bussi umarme. Wer heute noch gesund aussieht, kann morgen mit Halsweh, Schnupfen, Heiserkeit und Fieber flach liegen. Schuld ist die Inkubationszeit. Das ist der Abstand zwischen der Ansteckung und dem Moment, an dem die Krankheit ausbricht. Eine klassische Erkältung, einen sogenannten grippalen Infekt, brütet man zwei bis fünf Tage aus.

Bis vor Kurzem habe ich versucht, meine Abgänge unauffällig zu gestalten. Es war mir peinlich, die Aufmerksamkeit der Umsitzenden auf eine arme Socke zu ziehen, die krank ist und leidet.

Demonstrativ von der Erkältung wegsetzen

Am Wochenende unterhielt ich mich mit einer Freundin, die mein Vermeidungsverhalten gar nicht paranoid fand. Im Gegenteil, sie meinte, man müsse sich nicht nur demonstrativ wegsetzen, sondern die Aktion noch mit einem deutlich strafenden Blick auf den Keimträger garnieren. Schließlich hätten Erkältete auch eine Verantwortung ihren Mitmenschen gegenüber. Sie sollten sich aus Menschenansammlungen fern halten, um die Infektion nicht weiter zu verbreiten.

Danke! Ich bin schon dabei, es so zu machen. Schön ist es nicht, fühlt sich aber trotzdem richtig an. Der Grund: Eine Erkältung lässt sich kaum anders abwehren als durch strikte Vermeidung. Mehr als 200 verschiedene Erkältungsviren haben Wissenschaftler bisher identifiziert. Kein Wunder eigentlich, dass Erwachsene hierzulande oft zwei- bis viermal pro Jahr erkältet sind.

Erkältung vorbeugen: Im Grunde gibt es nur 4 Wege!

 

  • 1) Anderen Leuten nicht zu nahe kommen

Hustet jemand, sprühen die Viren meterweit. Außerdem kleben Erkälteten – und auch solche in der Inkubationszeit, die noch gesund sind – die Viren an den Händen und im Gesicht. Das können die Betroffenen selbst mit penibler Hygiene nicht immer verhindern. Also lieber distanziert bleiben, um Kontakt mit Erkältungsviren zu verhindern.

 

  • 2) In der Öffentlichkeit möglichst wenig anfassen

Erkältungskranke verbreiten ihre Keime über die Hände auf Türklinken, Geländer, Handys, Tischkanten und Geldscheine. Zumindest einige echte Grippe-Erreger überleben dort 17 Tage und bleiben infektiös.

Es ist natürlich nur bedingt möglich, nichts anzufassen, solange man sich nicht in Quarantäne begibt. Ich trage momentan auch an wärmeren Tagen Handschuhe in der U-Bahn und ich sehe immer mehr Leute, die den Türöffner mit dem Handrücken betätigen und nicht mit den Fingern. Das senkt das Risiko, sich später Viren von den Fingern in Richtung Schleimhäute an Nase, Augen und Mund zu schleppen. Genau dorthin also, wo der Infekt in den Körper eindringt. Diese Gefahr besteht immer, wenn man sich ins Gesicht fast. Was jeder Mensch unwillkürlich hunderte Mal am Tag macht. Das ist nun einmal so und lässt sich kaum willentlich kontrollieren.

 

  • 3) Häufig Hände waschen

Das ist der Königsweg, um sich momentan vor Erkältungen zu schützen. Experten schätzen, dass sich damit das Risiko für eine Ansteckung halbieren lässt – vorausgesetzt, man wäscht sich die Hände richtig. Richtig bedeutet: einseifen, dann mindestens 30 Sekunden schrubben, gut abspülen und abtrocknen. Letzteres unbedingt mit einem Einmalhandtuch oder einem Tempo-Taschentuch! Vermeide alles, was schon andere in der Hand hatten. Sonst reibst du dir sofort neue Viren auf die Hände.

Wer das beherzigt, braucht auch keine Desinfektionsmittel mit sich herumzuschleppen. Die bewirken viel weniger für Vorbeugen von Erkältungen, als man denkt, weil die meisten Leute sie schlicht falsch anwenden. Sofern man nicht unter einer Immunschwäche leidet oder in seinem Haushalt bestimmte, anfällige Patienten pflegt, raten Experten sogar davon ab, Desinfektionsmittel zu verwenden. Denn: Die Mittel können Allergien, Ekzeme oder bei falscher Dosierung Vergiftungen auslösen. Gelangen sie in großen Mengen in den Abfluss, können sie  nützliche Organismen im Wasser töten. Insgesamt stehen Risiken und Nutzen in einem schlechten Verhältnis. Das Geld für Desinfektionsmittel sparst du dir besser.

 

  • 4) Regelmäßig die Fenster aufreißen

In gut geheizten Räumen ist die Luftfeuchtigkeit gering. Keime können in der Luft mehrere Stunden überleben und sich vermehren. Lüften befördert die Viren dagegen einfach zum Fenster hinaus. Daher sollte man es öfter tun.

Sauna um Erkältung vorzubeugen? Man muss durchhalten

Tja, und dann war es dann auch schon mit den hilfreichen Akutmaßnahmen. Abhärtung durch Saunagänge oder Wechselduschen? Ja, das kann die Anfälligkeit gegen Erkältungen wirklich etwas reduzieren. Allerdings erst nach acht bis zehn Wochen regelmäßiger Anwendung.  Die Betonung liegt auf regelmäßig. Man muss das Saunieren darum wirklich gerne mögen, wenn es sich zur Prophylaxe von Erkältungen lohnen soll. Wer keine Sauna im Haus hat, muss außerdem recht viel Geld anlegen, um sich am Ende weniger effektiv zu schützen, als durch unsere 4 oben genannten Vorbeugungstipps. Ich persönlich würde mir diese Sauna-Zusatztermine lieber ersparen.

Vitamine und Zink sind sinnlos

Noch sinnloser ist der Versuch, sich  mit Vitaminen oder Mineralstoffen wie dem beliebten Zink vollzustopfen, um einer Erkältung zu entgehen. Experten raten mittlerweile grundsätzlich davon ab, sich Pillen, Tabletten oder Pülverchen einzuwerfen, die Stoffe nach natürlichem Vorbild, in isolierter und konzentrierter Form enthalten. Wann immer Studien deren Effekte untersuchten, kam heraus: Das Zeug wirkt im Körper ganz anders als Vitamine etc., die wir über unser Essen natürlicherweise zu uns nehmen.

Meistens waren die Mittel schädlich.

Um zum Zink zurückzukommen: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält für den Dauergebrauch höchstens 25 Milligramm täglich für wünschenswert. Leider liegen 25 Milligramm sehr deutlich unter der Dosis, bei der Zink in einigen wenigen Studien gegen Erkältungen geholfen hat. Das Geld für Zink kann man sich also sparen.

Durchschlagender wäre es, regelmäßig vitamin- und mineralstoffreich zu essen. Macht doch mal einen Anfang mit unserer Möhren-Ingwer-Suppe. Einmal ist beim gesunden Essen natürlich keinmal, deshalb macht dieser Präventionsversuch gegen Erkältungen nur Sinn, wenn du allgemein reich an Vitaminen und Spurenelementen isst.

Vitamin D gibt es einfach nicht genug

Besonders das „Sonnenvitamin“ D stellt sich in letzter Zeit als wichtig für eine funktionierende Abwehr heraus. Ein gutes Immunsystem ist bekanntlich wichtig zum Erkältung vorbeugen. Laut einer dänischen Studie mobilisiert es die Killerzellen, eindringende Keime zu bekämpfen. Im Winter bekommen wir aber in unseren Breitengraden alle zu wenig Sonne ab, als dass der Körper es mithilfe der UV-B-Strahlung ausreichend produzieren könnte. Gegen den Vitamin-D-Mangel kann man auch nur bedingt anessen. Es steckt in recht wenigen Lebensmitteln, am ehesten noch in Champignons und fetten Fischsorten. Helfen würde Lebertran. Aber, der ist einfach bäh – zu ekelig.

Sport öffnet der Erkältung die Pforten

Ambivalent ist das Verhältnis der Wissenschaft zu strammen Spaziergängen und anderen sportlichen Betätigungen, um das Immunsystem zu stärken und Erkältungen vorzubeugen. Warum? Ihr ahnt es vermutlich: Langfristig sorgt Bewegung für einen guten Kreislauf. Den braucht es, damit Immunzellen gut im Körper zirkulieren. Kurzfristig kann intensiver Sport einer Erkältung aber Tür und Tor öffnen – der „Open-Window-Effekt“. Denn nach dem Sport ist die Körperabwehr erst einmal einige Stunden damit beschäftigt, die Folgen des Sports zu verarbeiten. Zum Beispiel Zellschrott abzutransportieren.

Und Sport an der frischen Luft verschärft das Problem manchmal noch. Bleibt man zu lange draußen oder sportelt im Winter unter falschen Bedingungen, kühlt man aus. Als Folge werden die Schleimhäute in der Nase schlechter durchblutet. Weniger Immunzellen kommen an und die Nase trocknet aus. Was nichts anders bedeutet, als dass die schützende Schleimschicht, die Viren am Eindringen hindert, kaum mehr als Barriere reicht. Zack, wird man zum leichten Opfer für eine Erkältung. Zusammengefasst: Sport kann man sich NICHT sparen! Zum Erkältung vorbeugen taugt er langfristig. Aber wenn du das Halsweh und triefende Nase schon nahen fühlst, sei vorsichtig!

Die schlechte Nachricht

Zum Schluss noch eine schlechte Nachricht: Man kann alles richtig machen, und sich trotzdem eine fiese Erkältung einfangen. Wer beim Thema „Erkältung vorbeugen“ auf Nummer sicher gehen will, muss leider Einsiedler werden. Keine Menschen, kein Kontakt zu Viren, kein Schnupfen.

 

4 Kommentare

  1. Ein Kollege kam vollschnupft ins Büro, prustend wie eine Dampfmaschine. Ich arbeite im Airport-Business-Center in Hallbergmoos. Vor der Kantine sind Desinfektionsspender aufgestellt. Auf dem Rückweg vom Essen habe ich mir eine Serviette eingesprüht für die Klinke danach.
    Sind wir jetzt paranoid, ist das übertrieben?

    • Nein, das ist gesund. Am besten wäre es, die Klinke mit einem Tuch anzufassen und das dann sofort wegzuwerfen. Dann braucht man gar kein Desinfektionsmittel. Damit das lange genug einwirkt, um alles abzutöten, müsstest Du nämlich recht lange mit größeren Mengen an der Tür rumfummeln und den Betrieb aufhalten. Falsch angewendete Desinfektionsmittel schaden eher, sie selektieren zähe Keime, die sich dann umso besser vermehren.

  2. „Zum Schluss noch eine schlechte Nachricht: Man kann alles richtig machen, und sich trotzdem eine fiese Erkältung einfangen.“

    Nein, das ist einfach nicht richtig.
    Dier Trick besteht darin, sich nicht erst bei Beginn einer Erkältung Hau-Ruck mit allerhand Mittelchen vollzustopfen.

    Sondern als Vorbeugung, regelmäßig, täglich, ganzjährig den weitverbreiteten Mangel an Vitaminen und Mineralien zu bekämpfen, damit das Immunsystem im richtigen Moment „wohlgenährt“ und fit ist!

    Ich nehme seit einigen Jahren Zink, Vitamin C und Vitamin D3 (mit K2), hochdosiert und in Tablettenform. Kann man einzeln als Nahrungsergänzung kaufen oder im Internet bestellen.
    Morgens mit einem Glas Wasser, fertig. Keine ekligen Lutschbonbons, Brausen oder Pülverchen.

    Seitdem: KEINE Erkältungen mehr!
    Ach ja, auch keine Novemberdepression, Winterblues, Frühjahrsmüdigkeit mehr.
    Vorbeugung gegen Osteoporose und Arteriosklerose inklusive.

    Nur zu empfehlen.
    Ok, die Gesundheitsindustrie verdient wenig an mir.

    • Alexandra von Knobloch

      Hallo Ohnemich, den Ratschlag, sich regelmäßig hochdosierte Vitamine und Mineralstofftabletten einzuverleiben, können wir auf keinen Fall unterstützen. Es existieren keine seriösen wissenschaftlichen Beweise für positive Wirkungen gegen Erkältungen, ebenso nicht für eine Wirkung gegen Osteoporose und Artrose. Natürlich sind Vitamine und Mineralien für den Körper unerlässlich. Aber am besten versorgt man sich damit aus frischen Lebensmitteln. Es ist bekannt, dass der Organismus Vitamine und Mineralien besser und auch „gesünder“ verwertet, die aus natürlichen Quellen stammen, als solche aus Pillen. Außerdem verstehe ich Ihr Argument nicht, dass die Gesundheitsindustrie mit Ihnen nichts verdient, Sie geben den Herstellern doch reichlich Geld für Ihre Tabletten.

      Alex

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