Augentraining: 5 Übungen, um sofort erfrischter zu sehen

Ins Weite blicken gleicht zu viel Nahsehen aus und gehört unbedingt zum Augentraining

Heute verrate ich euch meinen Wohlfühlfavoriten für das kommende Frühjahr: Augentraining. Das erfrischt mich wie kaum etwas anderes im Laufe eines Arbeitstages, zugebracht mit vielen Stunden vor Computerbildschirmen, Papierstapeln oder Smartphone-Apps. Ich kann es wirklich empfehlen, auch wenn ihr vielleicht nicht so viel in die Nähe schauen müsst wie ich. Zu den Gründen komme ich gleich und die besten Augenübungen – als Video zum Nachmachen – liefere ich mit.

Strapazierte Augen von der Computerarbeit

Zunächst aber kurz zur Vorgeschichte, damit ihr versteht, warum ich Augentraining als sinnvoll empfinde: Ich bin ein Blindfisch. Stark kurzsichtig seit Schulzeiten, dazu Hornhautverkrümmung, erste Anzeichen von Altersweitsichtigkeit und jede Menge Mouches volantes, die mein Gesichtsfeld stören. Für einen Menschen, der seine Augen berufsbedingt jeden Tag so stark strapaziert wie ich, ist das ein mittelgroßes Drama.

Ich kenne trockene Augen, brennende, tränende, entzündete. Ich fluche, wenn ich permanent das Gefühl habe, ich müsste ein Sandkorn aus meinem Auge wischen, obwohl da gar kein Fremdkörper ist. Am schlimmsten sind die Tage, an denen irgendwann alles vor der Linse verschwimmt. Das macht das Sehen anstrengend. Es kostet deutlich mehr geistige Kraft als üblich, die Inhalte dessen zu erfassen, was ich da anstarre.

Augentropfen lösen das zentrale Problem nicht

Lustig ist anders. Darum habe ich im Lauf der Jahre diverse Augenärzte angesprochen: „Was kann man machen, damit einem das Schauen nicht so schwer fällt?“ Mindestens drei haben mir geraten, den Beruf zu wechseln. Aus medizinischer Sicht mag das richtig sein. Ausguck auf einem Schiff ist deutlich augenfreundlicher als der Job als Journalistin. Aber eine Umschulung kommt für mich nicht in Frage.

Also Augentropfen. Wenn es die richtigen sind und man sie regelmäßig benutzt, helfen sie sogar einigermaßen gegen sie Beschwerden. Was sie aber nicht können, ist den mentalen Stress mindern, den stundenlange Naharbeit verursacht. Das wurde mir vor ein paar Jahren an einem sonnigen Februartag bewusst.

Ich verließ mein Büro gegen Mittag und war geblendet von der Helligkeit. Den ganzen Winter über hatte ich nicht gemerkt, wie sehr einem Tageslicht fehlen kann. Grelle Deckenlampen, die Augen starr fixiert auf den schwach erleuchteten Bildschirm, alle drei Stunden Augentropfen rein. Blinzeln? Aufschauen? Mal entspannen und eine dringend nötige Pause machen? Fehlanzeige.

Augentraining schafft Erholung in jeder Hinsicht

Seit diesem Februartag liebe ich mein Sehtraining. Es verschafft mir die Unterbrechungen, die nicht nur meinen Sehorgangen die nötige Erholung bieten, sondern auch meinen Geist erquicken. Auch um Nackenschmerzen oder Kopfschmerzen zu vermeiden, sind solche kleinen, aber regelmäßigen Auszeiten Gold wert.

Sehtraining gegen Kurzsichtigkeit? Ein Mythos

Für alle, die jetzt gehofft hatten, ich würde erzählen, meine Kurzsichtigkeit habe sich gebessert, seit ich Augentraining mache: Da muss ich euch enttäuschen. Die Vorstellung, dass unscharfes Sehen durch das Training der Augenmuskeln zu beheben sei, ist angesichts der Ursachen von Kurzsichtigkeit weltfremd. Für Fehlsichtigkeit spielen die Länge des Augapfels eine Rolle sowie die Krümmungen der Hornhaut und der Linse. Die Muskeln haben darauf keinen Einfluss.

Augenmuskeln durch Fernblicke flexibel halten

Viele Augenärzte halten es für wahrscheinlich, dass sich durch gezielte Augengymnastik die Probleme mit der Altersweitsichtigkeit ein wenig hinauszögern lassen. Denn die rühren zum Teil daher, dass die Augenmuskeln immer länger brauchen, um von Fern- auf Nah sehen und zurück umzustellen. Augenübungen, bei denen man bewusst ins Weite blickt, helfen womöglich, diese sogenannte Akkommodation länger gut hinzubekommen. Beim Nah sehen – dazu zählt die typische Bildschirmarbeit auf etwa 40 Zentimeter Distanz – ist der Ziliarmuskel permanent angespannt. Er umgibt die Linse kreisförmig. Blickt man in die Ferne, entspannt er sich. Die Linse wird flach. Um den Muskel zu fordern und in Form zu halten, ist es sinnvoll regelmäßig immer wieder in die Weite zu blicken – am besten aus dem Fenster einfach ins Unendliche.

„Blick ins Unendliche“ nenne ich diese Augenübung. Man sollte dabei nichts fixieren, sondern einfach weit weg sehen. Ich persönlich schätze es, dabei auch noch die Augen kreisen zu lassen. Mal im Uhrzeigersinn, dann anders rum. Das ist der Moment, in dem ich die Abwechslung vom Bildschirmgeschaue bewusst spüre. Ich merke, wie sich die Augen entspannen und wie gut mir die optische Abwechslung tut. Ein Genuss, den ich mir ungefähr alle 10 Minuten für ein paar Sekunden gönne.

Lichtmangel verdirbt einem die Augen

Der „Blick ins Unendliche“ hat noch einen zweiten, größeren Vorteil: Er leitet einen zur Helligkeit. Nach allem, was Forscher bisher wissen, scheint eine ausreichende Menge an Tageslicht der Schlüssel, um sich sein Sehvermögen zu erhalten. Sie glauben nicht, dass etwa stundenlanges Lesen kurzsichtig mache, zumindest nicht allein. Als Ursache vermuten sie vielmehr zu langes Stubenhocken – das mit langem Lesen und dauernder Bildschirmarbeit einhergeht – und dadurch Lichtmangel. Zumindest bei Kindern scheint Tageslicht wichtig zu sein, damit sie sich nicht die Augen verderben. Mindestens eineinhalb Stunden Tageslicht sollte sich jeder Mensch täglich gönnen. Mein Augentraining erinnert mich immer wieder daran – und bewirkt, dass ich neben dem Augentraining auch mindestens einmal am Tag richtig Pause mache, und längere Zeit nach draußen gehe.

Augentraining: 3 einfache und schnelle Übungen zum Nachmachen mit unserer Videoanleitung

Den besten Soforteffekt gegen übermüdete und überanstrengte Augen erziele ich mir den folgenden drei Übungen. Blogkollegin Nadja Katzenberger führt sie euch im Video vor. Ihr könnt sie jederzeit und überall nachmachen. Man braucht dafür keine Ausrüstung. Am besten, ihr gönnt euch diese Übungen mehrmals täglich.

Augenübung 1: Rechts und links schauen


Zuerst gerade ins Weite schauen. Nun beide Augen so weit wie möglich nach rechts drehen, ohne den Kopf zu bewegen. Den Blick wieder in die Mitte richten, dann die Augen nach links wenden. Nach so vielen Wiederholungen, wie Spaß machen, die Augen kurz schließen und zum Abschluss entspannt durchatmen.

Augenübung 2: Reize ausschalten


Brille abnehmen. Die Handflächen kurz aneinanderreiben, bis sie schön warm sind. Die Augen schließen und die gewölbten Handflächen über die Augen legen, ohne auf die Augäpfel zu drücken. Die tiefe Dunkelheit und Wärme solange genießen, wie es wohl tut. Dabei tief und regelmäßig atmen.

Augenübung 3: Nah und fern sehen


Daumen hoch nehmen und soweit weg vor die Nasenspitze halten, dass man ihn gerde noch scharf sehen kann. Nun mehrmals im Wechsel auf den Daumen schielen und dann in die Ferne blicken.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Menschen, die Probleme mit ihren Augen haben, diese immer beim Augenarzt abklären lassen sollten, ehe sie mit Augentraining beginnen. Augenprobleme sind nicht nur Fehlsichtigkeit sondern zum Beispiel auch trockene Augen oder Schielen. Bei einem Silberblick sind zum Beispiel manche Augenübungen nicht geeignet. Welche genau, kann nur ein Arzt beurteilen.

Bonusmaterial: Mehr Tipps für entspannte Augen

Neben Augentraining könnt ihr noch einiges mehr tun, um eure Sehorgane zu schonen.

  • Lüftet öfter mal, um die Luftfeuchtigkeit im Raum auszugleichen. Trockene Luft strapaziert die Augen. Aber meidet Zugluft.
  • Blinzelt bewusst, um den Tränenfilm auf der Linse zu erneuern. Bei der Bildschirmarbeit sinkt sonst die Lidschlagfrequenz. Ihr starrrt und die Augen leiden.
  • Vermeidet es, mit den Fingern in den Augen zu reiben, wenn sie euch Probleme bereiten. Im schlimmsten Fall kommen die Beschwerden nämlich von einer Infektion und ihr verbreitet schlimme Erreger.
  • Legt euch wenn möglich einen zweiten Bildschirm zu, den ihr etwa 20 Zentimer weiter weg platziert als den ersten. So könnt ihr die Sehdistanz bei der Arbeit variieren und eure Augenmuskeln rosten nicht so ein.
  • Vermeidet Lichtreflexe und Lichteinfall auf dem Bildschirm und stellt ihn auch nicht direkt vor ein Fenster. Sonst sind die Augen leicht irritiert.
  • Zum Schluss möchte ich mich wiederholen: Schaut regelmäßig aus dem Fenster ins Weite und ins Tageslicht und geht regelmäßig nach draußen.

Habt ihr noch einen Tipp für augenmüde Büroarbeiter? Berichtet uns hier im Blog in den Kommentaren.

 

7 Kommentare

  1. Sehr schön, liebe Nadja, und auch relativ einfach in den Alltag zu integrieren – danke für die Tipps! 🙂
    – Und danke auch für Deine Videos, sehr hübsch anzuschauen (auch, wie Du mit dem Unterkiefer der Augenrichtung folgen willst, sehr süß, und besonders Dein anschließendes Lachen!).

    Liebe Grüße,
    Katja

  2. Ein super wichtiges Thema, Danke! Gerade für uns alle die im Büro arbeiten, in der IT-Branche oder studieren. Ich habe auch ein Gerät fürs Augentraining im Netz neulich entdeckt, heißt Visionary. Im Prinzip dieselben Übungen, man sieht damit wie Robocop aus 😀 Aber funktioniert genau so.

  3. Sehr hilfreiche Tipps und die Videos sind einfach toll! Freue mich auf weitere Beiträge.

  4. Hallo ihr beiden,

    danke für diesen Beitrag und die hilfreichen Videos!

    Eine kritische Frage: Inwiefern wurde der „Mythos“, Kurzsichtigkeit mit den Übungen wegzutrainieren, als solcher bewiesen?

    Meine Recherchen ergaben, dass es mit viel Disziplin und täglichem Training doch funktionieren kann…

    Danke vorab!

    • Alexandra von Knobloch

      Hallo Valentina,
      es ist so, dass kein Augentraining bislang seine Wirksamkeit gegen Kurzsichtigkeit nachweisen konnte. Grundsätzlich sind müde Augen auch etwas anderes als kurzsichtige Augen. Kurzsichtigkeit kommt durch ein zu langes Auge, Krümmungen der Linse und Hornhaut spielen eine Rolle; also alles, was den Brennpunkt verschiebt. Was dazu führt, dass man kurzsichtig wird, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Lichtmangel scheint eine erhebliche Rolle zu spielen. Ist man bereits kurzsichtig, müssten die Augenmuskeln ja irgendetwas bewirken können, dass den Augapfel wieder verkürzt oder die Linsenkrümmung beeinflusst. Dafür greifen sie aber gar nicht an den richtigen Stellen an.
      LG
      Alex

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