Ohne Industriezucker: Das 40-Tage-Experiment

Industriezucker ist Kristallzucker: Hier in Würfelform

Nadja hatte ja heute ihren ersten Tag, an dem sie ohne zugesetzten Industriezucker lebt. Sie nimmt am 40-Tage-Projekt „Zuckerfrei“ teil – einer Challenge von Hannah Frey auf ihrem Blog „Projekt: Gesund leben“.

Als ich von Nadjas Entschluss hörte, glaubte ich zuerst, es ginge um jemand anderen, über den sie berichten will. Warum mit der Gedanke an Nadja ohne zuckerhalte Produkte so entlegen erschien? Das werdet ihr verstehen, wenn ihr ihren Blogbeitrag „Ich brauch was Süßes! Mein Laster: Schokolade“ gelesen habt.

Alles was sie da über sich schreibt, kann ich aus eigener Anschauung bestätigen. Die Frau haut sich Krapfen, Nussschnecken und Schokolade rein wie nichts – und ist sehr schlank, null überaktiv, mit lupenreiner Haut gesegnet und außerdem frei von jeder Lebensmittelunverträglichkeit. Aus Sicht einer Durchschnittsfrau existiert also kein Grund, sich in einer derart privilegierten Lage mit Ernährungsbeschränkungen zu kasteien. Auch war mir an Nadja bisher nie ideologisch bedingtes Sonderverhalten aufgefallen. Sie ist eine der wenigen unverkrampften Allesesserinnen, die ich noch kenne. Und nun das: 40 Tage ohne Industriezucker. Da wollte ich natürlich wissen, warum sie das macht und habe sie interviewt. Und weiter unten, nach dem Interview, findet ihr noch einen kleinen Überblick darüber, was Industriezucker eigentlich ist, und was eine Ernährung ohne ihn bedeutet.

Nadja, wie war dein erster Tag ohne Industriezucker?

Noch habe ich nichts vermisst, aber ich habe auch versucht, Zucker zu meiden. Allerdings musste ich feststellen, dass viele Fallen lauern. Ich hatte mich ja spontan entschlossen, am Projekt zuckerfrei teilzunehmen, und stelle nun fest, dass ich mich erst noch stärker einarbeiten muss.

Was ist passiert?

Ich wollte heute morgen mein Lieblingsmüsli essen. Auf der Packung steht „nur mit natürlichem Zucker“. Das hatte ich so interpretiert, dass der Hersteller keinen Zucker zusetzt und nur soviel Zucker drin ist, wie eben natürlicherweise aus den Früchten im Müsli stammt. Aber im Kleingedruckten fand ich dann den Hinweis auf jede Menge Rohrzucker. Also hat die Firma das Müsli mit Haushaltszucker aus einer natürlichen Quelle angereichert – insofern stimmt ihre Werbebotschaft, es ist kein rafinierter Industriezucker drin. Aber naturbelassen ist das Müsli eben nicht.

Worauf verzichtest du während der 40-tägigen Fastenzeit eigentlich genau? Zuckerfrei ist ja ein dehnbarer Begriff.

Ja, und ein Anlass für krasse Debatten. Das habe ich mitbekommen, als mich auf dem Forum zur „Zuckerfrei-Challenge“ eingelesen habe. Ich habe beschlossen, nicht auf Zucker zu verzichten, der natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommt. Deshalb werde ich weiterhin Obst essen und Milch trinken. Mir geht es nur darum, diesen ganzen Industriezucker wegzulassen.

Das dürfte gar nicht so einfach werden, denn Zuckerzusätze findet man an den unglaublichsten Stellen.

Ja, ich hatte heute schon eine Salami in der Hand, die mit Dextrose – das ist nichts anderes als Glukose – angereichert war. Das ist natürlich blöd.

Ohne Industriezucker? Schokopralinen sind leider verboten

Hintergrundinfo: Was ist eigentlich Industriezucker?

Grundsätzlich wichtig: Zucker hat viele Namen, denn es gibt sehr viele verschiedene chemische Verbindungen, die alle zusammen unter dem Oberbegriff Zucker firmieren. Fachleute sprechen wahlweise von Kohlenhydraten oder Sacchariden. Dazu gehören zum Beispiel komplexe Kohlenhydrate wie die Stärke in Kartoffeln oder einfachere Verbindungen wie Fruktose (Fruchtzucker), Laktose (Milchzucker), Glukose (Traubenzucker, manchmal auch Dextrose genannt) oder Maltose (Malzzucker).

Der klassische Industriezucker ist der weiße Kristallzucker, den wir in den Kaffee löffeln oder zum Backen verwenden. Chemiker bezeichnen das zugrunde liegende Molekül als Saccharose. Es setzt sich aus jeweils einem Baustein Fruktose und Glukose zusammen. In der Natur ist Saccharose allgegenwärtig, sie steckt in großer Menge in Zuckerrüben aber auch in einigen Obstsorten, darunter Mangos oder Bananen.

23 Kilo Industriezucker pro Kopf – jedes Jahr

Die Industrie raffiniert den natürlichen Rohrzucker zu dem, was man im Laden als Haushaltszucker, Kristallzucker oder einfach Zucker kauft. Durch die Raffination wird der Rohzucker gereinigt, verliert dabei aber auch alle Mineralien. Industriezucker hat inzwischen ein Imageproblem – unter anderem, weil viele industriell erzeugten Lebensmittel große Mengen versteckten Zucker enthalten. Das macht es wahnsinnig schwer, den Überblick über den persönlichen Zuckerkonsum zu behalten. Experten schätzen, dass jeder Deutsche jährlich im Durchschnitt 23 Kilo allein an solchem klassischen Industriezucker verzehrt, das entspricht etwa 64 Gramm oder 21 Zuckerwürfeln am Tag. Angesichts der Tatsache, dass zu viel Zucker dick und ernsthaft krank machen kann, ist dieses Versteckspiel perfide.

Auf der Zutatenliste oft verschleiert

In der Zutatenliste auf dem Etikett weisen Lebensmittelhersteller den enthaltenen Industriezucker oft nicht direkt aus. Sie tarnen ihn durch schwer verständliche Umschreibungen wie „Saccharose“ oder ersetzen ihn durch (oft noch billigere) Ersatzprodukte wie Glukosesirup oder Zuckerrohrsirup. Steht Traubenzucker, Fruchtzucker, Milchzucker, Malzzucker oder ähnliches auf der Packung, sollte man sich ebenfalls nicht täuschen lassen. Fast nie wird da ein behutsam gewonnenes Naturerzeugnis zugesetzt, sondern ein im großen Stil raffiniertes Industrieprodukt.

Bester Ausweg: Selbst kochen

Ohne Industriezucker auszukommen ist daher ein ziemlich schwieriges Unterfangen, solange man im Supermarkt einkauft.  Ketchup, Wurst, Joghurt, Müsli: überall Zuckerzusätze. Auch in Produkten, die gar nicht süß schmecken, wie Grillsaucen. Der sicherste Weg, um ohne Industriezucker zu leben ist daher aus basalen Lebensmitteln selbst zu kochen. Dann kann man genau selbst festlegen, wie viel Zucker – natürlich oder industriell –  man sich ins Essen packt.

 

7 Kommentare

  1. „ich will keine Schokolade… Ich will lieber einen Mann!…“ , wie geht Dein Mann damit um, bekommt er noch etwas Süßes oder muss er mitmachen?

  2. Das ist mal ein spannender Versuch, wenigstens den unnötigen Zucker wegzulassen und ganz normal zu essen. Die nächste Stufe wären dann 40 Tage ohne Glutamat. Das wird schwer bei den ganzen Industrieprodukten.
    Zumindest eine ordentliche Salami ist frei von solchen Dingen.

    • Ich werde mir dann auch eine ordentliche Salami beim Metzger holen 🙂 Ohne Glutamat auszukommen ist vielleicht gar nicht so schwierig, wenn man (wie beim Zucker ja auch) auf verarbeitete Lebensmittel, Fertiggerichte, Tütensuppe etc. verzichtet. Im Endeffekt landen alle diese Ansätze doch bei einem Ziel: Bewusst einkaufen, frische Sachen nehmen, selber kochen. Nur vergan will ich nicht werden!

  3. Mein Mann denkt ich ticke nicht mehr ganz richtig und freut sich, dass mehr Schokolade für ihn übrig bleibt.

  4. Pingback:Internetgiganten, Intransparente Klausel, LV 1871, Cheops, loyale Kunden, 40 Tage ohne Zucker - Das Tagesbriefing für Versicherung & Finanzen

  5. Hallo Nadja,
    meine Tante hat mal mit meinem Onkel zusammen eine Glücksdiät gemacht. Diese funktionierte so, dass man keinen Zucker mehr ist. Wirkt es schon bei Dir?
    Ich muss gestehen, ich habe gestern die Schokoladenvorräte im Büro geplündert… ich konnte nicht anders. Alex bekommt jetzt auch keine Schokolade mehr.

    LG
    Uli

    ps.: wieviele Tage sind es noch bis zur Torte?

    • Ich zähle die Tage nicht! Kann auch nicht sagen, dass ich ohne Zucker unbedingt glücklicher bin. Aber unglücklich macht es auch nicht!

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