Karies und Milchzähne: Was Eltern wissen müssen

Sag mal Aaaah: Kinder lassen sich spielerisch für die Pflege ihrer Milchzähne begeistern

BEZAHLTER POST/WERBUNG Wie schlimm ist Karies an Milchzähnen wirklich? Muss ich mein Kind – und mich – zweimal am Tag durch das Zähneputzen quälen? Oder kann ich das auch lockerer handhaben?
Diese Fragen stellen sich fast alle Eltern irgendwann: bevorzugt an Tagen, an den das Putzritual richtig Nerven kostet. Die Antwort lautet einfach und knapp: Löcher in Milchzähnen sind ein ernstes Problem. Sie können einem die Zahngesundheit fürs ganze Leben verderben. Darum ist Vorsorge wichtig.

Soweit, so gut. Doch diese Erkenntnis allein hilft einem als Eltern nicht richtig weiter. Im Alltag mit Kindern drängen sich jede Menge praktische Fragen auf. Wie sich die Zahnvorsorge so gestalten lässt, dass sie einerseits optimal für die Mundgesundheit ist und andererseits angst- und stressfrei für alle Beteiligten.

Kinderzahnärztin Janina Rolke von Zahnarztpraxis Dr. Ghaussy und Partner kennt nützliche Tipps für Eltern von Kindern im Milchzahn-Alter

Die Hamburger Zahnärztin Janina Rolke ist spezialisiert auf Kinder- und Jugendzahnheilkunde. In der Zahnarztpraxis Dr. Ghaussy & Partner setzt sie die Besonderheiten um, welche die Kinderzahnheilkunde mit sich bringt. Hier im Blog beantwortet sie die wichtigsten Fragen zum Thema Milchzähne, Karies und Vorbeugung:

Wie entsteht Karies?

„Karies entsteht aus einem Zusammenspiel mehrerer ungünstiger Faktoren“, erklärt Rolke. Zum Beispiel wenn Säuglinge oder Kleinkinder häufig Zuckerhaltiges essen und gleichzeitig die Mundhygiene Mängel aufweist. Dann können kariesverursachende Bakterien gut leben und sich ausbreiten. Sie wandeln Zucker und Speisereste in Säure um, die den Zahnschmelz angreift und zerstört. Zunächst sind die Schäden oberflächlich. Das Kind merkt nichts davon. Bleiben sie unbehandelt, können sich tiefe Löcher bilden, die auch den Zahnnerven schädigen können. Entzündet sich der Nerv, kann das Schwellungen und Schmerzen verursachen.

Erste Zähne besonders anfällig für Karies

Fast alle Karieskeime bilden Milchsäure, so auch das häufigste Kariesbakterium Streptococcus mutans. Die Erreger kommen in fast jeder Mundflora natürlicherweise vor. Problematisch wird es, wenn sie Überhand nehmen, weil Zahnbeläge, von Zahnärzten bakterielle Plaque genannt, oder Zahnstein ihnen auf der Zahnoberfläche massenhaften Siedlungsraum bieten. Der Säureangriff auf den Zahn löst dabei Mineralien aus der äußersten Schicht, dem Zahnschmelz. Zwar versorgt der Speichel den Zahnschmelz stets mit Mineraliennachschub. Bei zu viel säurebedingten Verlusten reicht das aber nicht aus, um die Zähne gesund zu halten. Der Abbau überwiegt. Die Karies frisst sich durch den Zahnschmelz auf das darunterliegende Zahnbein, das Dentin, und gegebenenfalls bis zum Nerven.

Gerade die ersten Zähne sind besonders anfällig für Karies, weil ihr Zahnschmelz dünner ist. Außerdem ist er beim Durchbruch noch nicht ganz ausgereift.

Welche Verbreitung hat Karies an den Milchzähnen?

„Das kann man nicht ganz genau benennen.“, sagt Kinderzahnärztin Rolke. Der Grund: Bei vielen Studien zu Karies im Milchgebiss wurden die Zähne der Kinder nicht geröntgt. Ohne diese Untersuchung lässt sich der Schaden an den Zähnen meist aber erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkennen. Deshalb muss man davon auszugehen, dass Karies bei Kindern häufiger ist als angenommen, auch wenn sich die Zahngesundheit bei Babys und Kleinkindern in den letzten zehn Jahren insgesamt verbessert hat. Eines der größten Probleme: Haben kleine Kinder Zahnfäule (also Karies), sind häufig gleich mehrere Milchzähne betroffen, weil bei der Pflege und Vorsorge etwas Entscheidendes schiefläuft. Eine frühzeitige, gute Beratung hätte diese Schäden wohl fast immer verhindern können. Denn eines belegen die Studien mit Sicherheit: Wenn Eltern sich bei ihren Kindern vom ersten Milchzahn an um die Zahngesundheit kümmern, lässt sich Karies fast immer verhindern. Vorsorge gegen Karies ist also möglich und sie lohnt sich.

Wie pflegt man Milchzähne richtig?

„Ein sauberer Zahn wird nicht krank.“ An diesem Merksatz können sich Eltern orientieren“, rät Janina Rolke. Tägliche Zahnpflege, morgens und abends, ist darum die wichtigste Basis für die Mundgesundheit.

Die Zahnpflege kann schon beim Zahnen beginnen: Wenn Eltern das Zahnfleisch mit einem Zahnputz-Fingerling oder einem Waschlappen massieren, empfinden das viele Babys als angenehm. Der weitere Vorteil: Ist der erste Milchzahn durchgebrochen, sind die Säuglinge bereits an das Gefühl des Bürstens gewöhnt. In den ersten Tagen kann der Zahn noch mit dem Fingerling gereinigt werden. Doch dann sollten Eltern schnell auf eine Zahnbürste umstellen, diese reinigt effektiver.

Darauf kommt es beim Zähneputzen für kleine Kinder an:

  • Den ersten Milchzahn bekommen die meisten Babys mit etwa einem halben Jahr. Auch wenn sie dann noch gestillt werden, ist es wichtig, sofort mit dem Putzen zu beginnen. Denn Muttermilch enthält viel Zucker und die ersten Zähne sind besonders kariesempfindlich. Beginnt man erst später mit der gründlichen Zahnreinigung, kann sich die sogenannte Stillkaries bereits entwickeln.
  • Häufig liest man Empfehlungen, wie lange das Zähneputzen bei Kindern dauern sollte. Doch auf die Zeit kommt es überhaupt nicht an! Entscheidend ist es, jede Fläche der Zähne bei jedem Putzen gründlich zu reinigen. Und das dauert individuell unterschiedlich lang.
  • Aus Hygienegründen braucht man für das Zähneputzen kein festes Putzkonzept. Eines zu haben, hilft jedoch enorm dabei, keine Fläche zu vergessen und das Zähneputzen als tägliches Ritual zu etablieren. Es bietet sich an, erst die Zahnschwischenräume, dann die Kauflächen, die Innenflächen und zum Abschluss die Außenflächen zu reinigen. Wichtig: Zahn und angrenzendes Zahnfleisch mit kreisenden Bewegungen und wenig Druck putzen. Auf den Kauflächen putzt man vor und zurück sowie gelegentlich quer.
  • Kinder sollten zur Gewöhnung an die tägliche Zahnpflege so früh wie möglich dazu animiert werden, selbst eine Zahnbürste in die Hand zu nehmen. Am Anfang werden sie diese nur spielerisch einsetzen und eventuell zerkauen. Später bürsten sie dann selbst vor und irgendwann möchten sie ihre Zähne ganz alleine putzen. Aber Achtung: Es ist wichtig, dass Eltern die Zähne ihrer Kinder lange genug kontrollieren und nachputzen!
  • Auch wenn Kinder selbst eifrig und gerne bürsten, sind sie ziemlich lange einfach nicht geschickt genug, um ihre Zähne wirklich sauber zu bekommen. Die nötige Feinmotorik entwickelt sich bei Mädchen etwa im achten Lebensjahr, bei Jungen rund ein Jahr später – also mit neun. Wann die motorischen Fähigkeiten eines Kindes gut genug sind? Die Handschrift ist dafür ein gutes Indiz. Beherrschen Kinder echte Schönschrift, können sie ihre Hände auch zum Zähneputzen koordinieren – und die Eltern können das Nachputzen einstellen. Meist kommt dann allerdings eine Phase in der die Kinder keine große Lust aufs Putzen haben. Eltern sollten also weiterhin motivieren und kontrollieren.
  • Zum Nachputzen empfiehlt es sich, dass das Kind liegt – egal in welchem Alter. Der Grund: Als Elternteil kann man besser in den Mund schauen und erkennen, wie gut man schon geputzt hat. Außerdem erspart einen das Putzen im Liegen manche Dramen, weil man die Kleinen so leichter unter Kontrolle behält.
  • Egal ob Bürste oder Fingerling: Nach dem Gebrauch kurz unter heißem Wasser abwaschen und an der Luft trocknen lassen.

Soll man Zahnseide schon im Milchgebiss anwenden?

Sobald sich die Lücken zwischen den Zähnen geschlossen haben, sollten Eltern Zahnseide bei den Zahnzwischenräumen ihrer Kinder anwenden. Zahnzwischenraumkaries ist die häufigste Form der Milchzahnkaries. Das zeigt, dass die Verwendung von Zahnseide das am meisten vernachlässigte Hygienethema bei kleinen Kindern ist.

Bei der Verwendung können Zahnseidenhalter helfen. Wichtig ist, sie vorsichtig mit sägender Bewegung durch den Kontaktpunkt der Zähne zu führen ohne das Zahnfleisch zu verletzen. Interdentalbürsten sollte man bei Kindern wegen der besonderen Anatomie der Milchzähne nicht benutzen. Die Seitenflächen bei größere Lücken reinigt man mit der Zahnbürste.

Wie dosiert man Fluorid für Kinderzähne richtig?

Fluorid ist ein Mineralsalz. Es mindert die Entkalkung der Zähne und macht sie darum widerstandsfähiger gegen Kariesbefall. Die Schutzwirkung von Fluorid ist seit langem zweifelsfrei belegt. „Als Zahnärzte empfehlen wir folgenden Umgang mit Fluorid,“ sagt Janina Rolke:

  • Fluoridtabletten sollten nicht gegeben werden, auch wenn Kinderärzte sie noch häufig verordnen. Für die positive Wirkung des Fluorids ist es wichtig, dass es direkt auf die Zahnoberfläche einwirken kann. Und das geht nur beim Putzen. Außerdem kann eine dauerhaft zu hohe Dosis an Fluorid den Zahnschmelz verändern, und zu einer sogenannte Fluorose führen.
  • Bis zum zweiten Lebensjahr wird bei nur einer der beiden täglichen Zahnputzrunden spezielle fluoridhaltige Zahnpasta für Kleinkinder verwendet, am besten abends.
  • Ab dem zweiten Lebensjahr putzt man zweimal täglich mit Fluoridzahnpasta.
  • Ab dem sechsten Lebensjahr stellt man auf Juniorzahnpasta mit einem höheren Fluoridgehalt um.
  • Ab dem Durchbruch der ersten bleibenden Zähne sollten die Kinder ihren Zahnschmelz zusätzlich einmal wöchentlich mit einem speziellen Fluorid-Gel stärken.
  • Zusätzlich wird 2-mal im Jahr beim Zahnarztbesuch fluoridiert.

Welchen Einfluss haben Essen und Getränke auf die Milchzähne?

Zucker ist bekanntlich schlecht für die Zähne. Die Karieserreger wandeln die Süße in Säure um, die dann den Zahnschmelz angreift. „Für gesunde Milchzähne kommt es aber nicht nur darauf an, den Nachwuchs vom Dauerkonsum von Schokolade, Keksen und anderen klassischen Süßigkeiten fern zu halten“, betont Rolke.
Zucker lauert an Stellen, an denen ihn manche Eltern gar nicht vermuten. Darum hier einige weitere Tipps für zahnfreundliches Essen und Trinken für Kinder:

  • Aus zahnärztlicher Sicht ist es nicht sinnvoll, Kinder die schon Zähne haben, noch lange zu stillen. Muttermilch enthält sehr viel Zucker.
  • Zuckerhaltige Getränke sind ein großes Problem für die Milchzähne. Und zwar nicht nur gesüßter Tee oder Limonade. Auch Säfte, Saftschorlen und die beliebten Quetschies machen dem Zahnschmelz zu schaffen. Darum ist es wichtig, Kinder so früh wie möglich an Wasser als Hauptgetränk zu gewöhnen. Das soll nicht heißen, dass sie niemals Schorle oder ein Quetschie zu sich nehmen dürfen. Schädlich ist es vor allem, wenn kleine Kinder in kurzen Abständen immer wieder an etwas Süßem nuckeln. Dadurch ist der Zahnschmelz dauerhaft mit Zucker und Säure umspült, und der pH-Wert im Mund kann zwischendurch keinen Wert erreichen, bei dem sich der Schmelz remineralisieren und damit regenerieren könnte. Eine Schorle kombiniert zum Mittagessen ist aber beispielsweise kein großes Drama für die Zähne. Und man muss dem Kind danach auch nicht zwangsläufig nach jedem süßen Bissen die Zähne putzen. Denn, wie schon erwähnt: Werden Zähne insgesamt sorgfältig gepflegt, halten sie alltäglichen Beanspruchungen gut Stand. Natürlich erhöht aber häufigeres Putzen die Chance, jeden Bereich der Zähne täglich gereinigt zu haben.
  • Was für zuckerhaltige Getränke gilt, gilt ebenso für Obst oder kohlenhydrathaltige Speisen wie zum Beispiel Brot oder Kekse: Der Rhythmus entscheidet, wann es schädlich wird. Darum sollten Kleinkinder nicht nach Lust und Laune zu einem Apfelschnitz greifen können oder alle paar Minuten an einem Stück Brezel kauen. Besser ist es, sie essen etwas und machen dann eine länger Pause, in der sich der Zahnschmelz erholen kann.
  • Nuckelflaschen sind eine weitere Tortur für die Milchzähne. Durch die Sauger kommen besonders die Frontzähne intensiv mit den Getränken in Kontakt und sind kariesgefährdet. Daher empfiehlt es sich, Kinder zeitig an normale Becher zu gewöhnen. Der Flaschengebrauch ist außerdem aus noch einem anderen Grund schlecht für den Kindermund: Er fördert, genau wie Daumenlutschen und Schnuller, Kiefer- und damit Zahnfehlstellungen, die später gegebenenfalls aufwendig mit Zahnspangen korrigiert werden müssen. Spätestens bis zum Alter von drei Jahren sollten Kinder ohne etwas zum Nuckeln auskommen.

Wie macht Kindern das Zähneputzen Spaß?

„Phasen, in denen Kinder keine Lust aufs Zähneputzen haben, erleben alle Eltern“, versichert Rolke. Doch dem Verweigerungswunsch nachzugeben, wäre falsch, denn das schadet den Zähnen. Natürlich ist die Versuchung groß, das Putzen abzukürzen, wenn das Kind den Aufstand probt. Aber dann hilft es sich Folgendes vor Augen zu halten: Kinder mögen es oft auch nicht, im Auto im Kindersitz angeschnallt zu werden. Dennoch bleiben Eltern hier immer konsequent – um der Sicherheit willen. „Genau diese Haltung braucht man auch beim Zähneputzen“, rät Rolke. Die Routine muss sich einspielen – um der Gesundheit willen. Je weniger Abweichungen vom Standard man zulässt, desto eher gewöhnen sich die Kinder ans Zähneputzen und akzeptieren es als selbstverständlichen Bestandteil des Alltags.

Hier einige Tipps, wie man Kindern Lust aufs Zähneputzen macht:

  • Gestalten Sie das Zähneputzen als spielerisches Ritual: zu möglichst festen Zeiten, an festen Orten und mit wiederkehrenden Elementen. Etwa einem Zahnputzlied, das Sie singen und der Bürste für das Kind, mit der es spielen darf.
  • Das Zähneputzen sollte immer so  stattfinden, dass Eltern die Zähne des Kindes gut sehen können. Wie schon erwähnt, geht das einfacher, wenn das Kind dabei liegt.
  • Planen Sie genügend Zeit ein, um nicht gestresst zu wirken. Dauert das Putzen dann gar nicht so lange wie erwartet: umso besser.
  • Putzen Sie die Zähne Ihres Kindes mit wenig Druck und vermeiden Sie Unangenehmes, indem Sie auf Lippenbändchen und die empfindliche Schleimhaut Acht geben.
  • Motivieren Sie ihr Kind von Anfang an, sich selbst mit dem Zähneputzen zu beschäftigen. Dabei geht es nicht darum, dass es möglichst schnell lernt, selbst korrekt zu putzen. Es kommt vielmehr darauf an, die Scheu vor der Zahnbürste zu verlieren und positive Erlebnisse rund ums Putzen zu sammeln.
  • Nutzen Sie die vielen Hilfsmittel, die es inzwischen gibt, um Kinder spielerisch ans Zähneputzen heranzuführen. Elektrische Zahnbürsten können sie zum Beispiel als Eltern effektiver zum Nachputzen benutzen als eine Handzahnbürste. Aber Vorsicht: Kinder sollten eine elektrische Zahnbürste erst ab dem Schulalter selbst benutzen. Interessant sind dann auch eingebaute Features oder Apps, mit denen zum Beispiel Punkte gesammelt werden können, wenn man lange genug putzt.

Wann müssen kleine Kinder das erste Mal zum Zahnarzt?

„Wir Kinderzahnärzte empfehlen den ersten Zahnarztbesuch bereits beim ersten Zahn“, sagt die Hamburger Kinderzahnärztin Janina Rolke. Ein Service, den auch die gesetzliche Krankenkasse bezahlt. „Dabei geht es vor allem um das Beratungsgespräch für die Eltern“. Es ist sinnvoll einen Spezialisten für Kinderzahnheilkunde zu wählen, denn Kinder-und Jugendzahnärzte sind komplett auf die Bedürfnisse der Kleinen eingestellt: von der Gestaltung der Praxis über den Umgang mit Säuglingen und Kleinkindern bis hin zu kindgerechten Behandlungsmethoden und einem spezialisierten Fachwissen. Sie können Eltern besonders passgenaue Tipps geben und tragen dazu bei, dass sich von Anfang an ein unverkrampfter Umgang mit dem Zahnarztbesuch einstellt. Aller spätestens sollte der Zahnarzt aufgesucht werden, sobald das Milchgebiss vollständig ist – also etwa mit 2,5 Jahren. Ab dann sind regelmäßige, halbjährliche Kontrollen sinnvoll.

Wann muss Karies bei Milchzähnen behandelt werden?

„Ist nur der äußere Zahnschmelz betroffen, reicht zunächst eine Behandlung durch Reinigung und zahnärztliche Fluoridierung“, erläutert Rolke. Es wird punktuell aufgetragen, unterstützt den Wiederaufbau des Zahnschmelzes und schützt den Zahn vor weiteren Säureangriffen. Gehen die Löcher tiefer bis ins Dentin, sollte die Karies entfernt werden. Eine Füllung verschließt anschließend das Loch. Manchmal werden schon an Milchzähnen Nervbehandlungen nötig und gelegentlich müssen Zahnärzte bereits Milchzähne überkronen oder ziehen. Ein zerstörter Zahn könnte sonst Entzündungen und im schlimmsten Fall Abszesse mit lebensbedrohlichen Folgen auslösen. Nach der Zahnextraktion von Backenzähnen setzen Zahnärzte dann oft einen Platzhalter ein. Er hält den Raum für die nachfolgenden bleibenden Zähne frei.

Was passiert, wenn Milchzahnkaries unbehandelt bleibt?

Milchzähne fallen irgendwann aus. Da könnte man auf die Idee kommen, es mit der Behandlung von Karies nicht so genau zu nehmen, denn der schadhafte Zahn ist dann ja weg. Doch „Milchzahnkaries erhöht das Risiko für Karies an den bleibenden Zähnen um ein Vielfaches“, sagt Kinderzahnärztin Rolke.

Außerdem können entzündete Milchzähne Schäden an den sich entwickelnden bleibenden Zähnen verursachen. Ein weiteres Risiko: Vorzeitiger Milchzahnverlust kann Zahnfehlstellungen der nächsten Zähne verursachen oder sogar Wachstumsstörungen des Kiefers. Letzteres kann wiederum die Sprachentwicklung stören oder das Essen erschweren.

Keine Angst vorm Bohren: Kinder, die gut vorbereitet sind, bleiben auf dem Zahnarztstuhl entspannt

Wie lässt sich Angst vor dem Zahnarzt bei Kindern vermeiden?

„Wichtig ist es, dass Kinder möglichst früh das erste Mal und dann regelmäßig zum Zahnarzt gehen, um die Situation kennenzulernen“, sagt Kinderzahnärztin Janina Rolke von der Hamburger Zahnarztpraxis Dr. Ghaussy & Partner. „Und am besten natürlich, solange an den Zähnen alles in Ordnung ist und sie positive Erlebnisse sammeln können.“

Sollte es doch zu Zahnschäden gekommen sein, bietet sich als Behandlungsvorbereitung meist eine Zahnreinigung beim Kinderzahnarzt an. Dabei lernen die Kinder das ungefähre Gefühl der Behandlung kennen, trainieren das längere Stillhalten und Offenhalten des Mundes. Außerdem  lernen sie schonmal einige Geräte und Geräusche kennen. In spezialisierten Praxen begegnen Zahnärzte und Assistenzen Kindern auf Augenhöhe. Haben sie Fragen, erhalten sie kindgerechte Antworten. Die Sprache in einer Kinderzahnarztpraxis ist häufig geprägt von positiven Umschreibungen und lässt Verhaltensführung mit einfließen.

Wie können Eltern ihre Kinder auf den Zahnarztbesuch vorbereiten?

Es gibt Einiges, das zur Entspannung der Situation beiträgt:

  • Bauen Sie den kommenden Besuch beim Zahnarzt schon einige Wochen vorher in das Zahnputzritual mit ein. Spielen Sie zum Beispiel „Zähne zählen“. Bereiten Sie das Kind darauf vor, dass es den Mund aufmachen muss. Das ist genauso normal wie Lächeln, Sprechen oder Pfeifen.
  • Wecken Sie Neugier, indem Sie erzählen, dass der Besuch in der Praxis ein positives Ereignis ist.
  • Nehmen Sie Fragen des Kindes ernst, etwa, ob es weh tut. Beruhigend gemeinte Negativformulierungen wie „Du brauchst keine Angst zu haben, es tut bestimmt nicht weh,“ helfen kaum. Geschickter sind konkrete Antworten, etwa: „Manchmal kitzelt es etwas, wenn man Zähne untersucht.“ Vermeiden Sie außerdem Begriffe wie „Bohrer“, „Spritze“ oder Ähnliches. Der Zahnarzt und sein Team werden kindgerecht alle Vorgänge erklären ohne Negativassoziationen zu wecken.
  • Überlassen Sie die Kommunikation während des Zahnarztbesuches dem geschulten Fachpersonal.
  • Versprechen Sie keine Belohnungen. Manche Kinder wünschen sich diese dann so sehr, dass sie unter Druck geraten, was den Termin deutlich erschwert.
  • Versuchen Sie eigene Anspannung oder sogar Zahnarztängste nicht auf ihr Kind zu übertragen. Je lockerer Sie selbst bei dem Termin sind, desto leichter fasst Ihr Kind Vertrauen.

Das Thema Zahngesundheit – Parodontose Vorbeugung, alles rund ums Zahnfleisch, richtig putzen und Zahnseide – interessiert mich schön länger. Dieser Beitrag zu Karies an Milchzähnen ist in einer Kooperation mit der Kinderzahnärztin Janina Rolke aus Hamburg entstanden. Sie besteht in der Verlinkung der Zahnarztpraxis. Die Fotos wurden mir von Janina Rolke zur Verfügung gestellt.

Den Beitrag habe ich basierend auf einem Interview sowie den üblichen journalistischen Recherchen verfasst. Die Informationen decken sich mit Empfehlungen des Deutschen Bundesverbands der Kinderzahnärzte. Darüber hinaus gibt Janina Rolke viele in der Praxis erprobte Tipps für Eltern, die ich für sehr nützlich halte und darum gerne hier aufgeschrieben habe.

 

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