Ich brauch was Süßes! Mein Laster: Schokolade

Ich esse jeden Abend eine Tafel Schokolade – ausschließlich nach 20 Uhr, 100 Gramm, lila verpackt, ausschließlich die Sorten Alpenmilch, Nuss-Nougat, Noisette oder Haselnuss (keine ganzen).

Das mit der Uhrzeit ist natürlich bedingt durch die Kinder. Ich werde keine Packung Süßes aufreißen, solange sie noch nicht tief und fest schlafen. Genauso müssen alle Überreste dieser Schoko-Orgie vor Mitternacht verschwunden sein. Sonst ruft morgens um acht ein Kind: „Uiii, da liegt ja Schokolade, darf ich die haben?“

Ich esse jeden Abend eine Tafel Schokolade. Ich kann nicht anders. Ich kann zum Beispiel nicht nur ein Rippchen Schokolade essen. Wenn ich eine Tafel öffne, muss sie sterben. Ganz und gar. Ich habe das schon versucht: Ein Rippchen gegessen und die Packung zurück in den Kühlschrank gelegt. Um 15 Minuten später wieder zum Kühlschrank zu pilgern und den Rest zu vernichten. Ich kann auch keine dunkle Schokolade essen, auch wenn die viel gesünder ist und von der man – was für ein Vorteil – nach einem Stück wohl schon wieder genug hat.

Stoffwechsel mit Stopp-Mechanismus

Ich esse jeden Abend eine Tafel Schokolade und weiß natürlich, dass das dick macht. Und dass sich viele Menschen auch nur ein Rippchen verkneifen, weil sie es nicht gleich im Anschluss als neues Bauchfett begrüßen wollen. Aus genetischen Gründen ist das mit dem Zunehmen bei mir nicht der Fall. Ich habe von meinem Vater einen Stoffwechsel geerbt, der bislang eine Tafel pro Tag locker wegsteckt. Deshalb erlaube ich mir auch, diese 100 Gramm völlig ohne schlechtes Gewissen zu essen. Im Schnitt brauche ich für eine Tafel übrigens ungefähr eine halbe Stunde. Ich habe das ausprobiert: Der Genuss ist nicht größer, wenn ich mir für die Tafel mehr Zeit lasse. Mehr als eine geht auch nicht, dann wird mir schlecht. Das ist wohl ein eingebauter Stopp-Mechanismus.

Ich esse jeden Abend eine Tafel Schokolade und weiß natürlich, dass das nicht gesund ist. Zucker ist zum Beispiel schlecht für die Zähne. Allerdings habe ich mit Freude gelesen, dass es besser ist, eine ganze Tafel auf einmal zu essen, als mehrmals am Tag irgendwelche Süßigkeiten. Im Interview mit der Initiative proDente sagt der Direktor der Zahnklinik Köln, Professor Dr. Michael J. Noack:

„Menschen, die häufiger als dreimal am Tag mikroniedermolekulare Kohlenhydrate zu sich nehmen, haben ein weitaus geringeres Risiko, an Karies zu erkranken, als Menschen, die  vier-, fünf-, sechs- oder siebenmal am Tag zu Süßem greifen. Aus zahnärztlicher Sicht betrachtet ist es also besser, eine Tafel Schokolade auf einmal zu essen, als über den Tag verteilt.“

Na, da bin ich beruhigt! Dazu, mehrmals am Tag Süßigkeiten zu essen, komme ich gar nicht. Da ernähre ich mich tatsächlich meistens gesund, schon weil meine Kinder dabei sind. Auch am Schreibtisch kann ich mir Süßigkeiten tagsüber gut verkneifen, muss aber gestehen: Wenn ich abends arbeite, sieht das wieder anders aus. Denn die tägliche Tafel kann man auch beim Schreiben vertilgen und nicht nur beim Fernsehen.

Experten erlauben zwei Riegel Schokolade

Ich weiß aber auch: Meine Zähne sind vielleicht in Sicherheit, der Rest meines Körpers nicht. Schokolade besteht aus Fett und Zucker, die sind natürlich ungesund. Deshalb stehen Süßigkeiten auch an der Spitze der Ernährungspyramide – als Frau sollte ich, so Ernährungsexperten, am Tag höchstens zehn Prozent der Energie in Form von Zucker zu mir nehmen.

Das entspricht zwei Riegeln Schokolade. Oh.

Es wird nicht besser: Meine geliebt 100-Gramm-Tafel besteht aus etwa 30 Gramm Fett und 50 Gramm Zucker. Auch wenn das bei mir noch kein Übergewicht verursacht hat, Auswirkungen auf den Blutfettspiegel sind vielleicht schon drin. Zu viel Zucker wird vom Körper in Fett umgewandelt, die Folge: Übergewicht, ein erhöhtes Risiko für Gefäßverkalkung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – weil die Spiegel von Triglycerid (Neutralfette) und LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein – aus Nahrungsmitteln mit geringer Energiedichte) steigen. Gleichzeitig sinkt der HDL-Cholesterinwert. Und niedriges HDL (High-Density-Lipoprotein – aus Nahrungsmitteln mit hoher Energiedichte, z.B. Vollkornprodukten) bedeutet: Erhöhte Gefahr für die Gefäße.

Und meine Hausärztin hat schon mal was von erhöhten Cholesterinwerten gesagt.

Oh. Oh.

Aber Schokolade macht doch glücklich!

Ich weiß es, nein, ich spüre es sofort: Meine schlechte Laune ist weg! Schokolade enthält nämlich die Aminosäure Tryptophan und die kann sogar depressive Stimmungen lindern. Wenn ich Schokolade esse, schüttet die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin aus, so gelangt Tryptophan leichter ins Gehirn und hebt dort meinen Serotonin-Spiegel. Und Serotonin, das wissen wir doch alle, ist der Glücksbotenstoff schlechthin.

Glück ist auch nur Einbildung

Quatsch, sagt der britische Wissenschaftler Peter Rogers von der Universität Bristol: Alles nur Einbildung. Erstens sei die Konzentration positiver Stoffe in anderen Nahrungsmitteln weitaus höher, zum Beispiel in dunkler Schokolade. Zweitens meinen Leute, die sich als „schokoladensüchtig“ beschreiben, meistens Milchschokolade mit einem geringen Anteil an Kakao und einem hohen Anteil von Fett und Zucker. Dazu gehöre dann wohl ich.

Rogers vermutet, dass Menschen wie ich gar nicht so scharf auf die Schokolade sind, sondern auf das Fett und den Zucker. Einen großen Anteil an dieser „Sucht“ habe außerdem unser Wissen, dass so viel Schokolade schädlich ist – sie ist „nice but naughty“ – das erhöhe bei vielen Menschen den Reiz, mehr davon zu essen als gut für sie ist. Psychologie spielt natürlich auch eine Rolle: Fast alle haben wir die Erfahrung gemacht, dass Süßigkeiten trösten, ein gutes Gefühl geben, glücklich machen. Unsere Erwartung ist groß, sie will erfüllt werden.

Jetzt ist dieser Beitrag fertig. Während des Schreibens habe ich einen ganzen Schoko-Nikolaus gegessen. Ich bin ein bisschen glücklich, natürlich wegen der Schokolade und weil der Text endlich fertig ist. Ich habe aber auch ein mulmiges Gefühl im Bauch, weil ich ohne diesen Text nicht so genau recherchiert hätte, was meine tägliche Tafel Schokolade (oder der Schoko-Nikolaus) alles bewirkt.

Immerhin – der Zahnprofessor fand’s nicht so schlimm!

Was meint Ihr? Guilty Pleasure oder böses Laster? Wer von Euch feiert Schoko-Orgien vorm Fernseher? Sollte ich auf zwei Riegel reduzieren? Oder mir die Schokolade ganz abgewöhnen?

Wie haltet Ihr Eure Schoko-Sucht unter Kontrolle?

Habt Ihr Euch vorgenommen, weniger Süßigkeiten zu essen? Lasst es raus: Hier in den Kommentaren, auf unserer Facebook-Seite oder bei Twitter!

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5 Kommentare

  1. Ich mag deine Art zu schreiben, da macht das Lesen richtig Spaß. Daher habe ich diesen Post auch komplett gelesen, obwohl ich dein Laster gar nicht verstehe – ich hab’s nämlich nicht so mit Schokolade. 😉 Und ganz ehrlich: Wissenschaft hin oder her, wenn es dich glücklich macht und dir nicht in größerem Umfang schadet (Gewicht, Gesundheit, etc.) – why not?! 🙂 In diesem Sinne: Lass dir die Tafel Schoki, die du vermutlich gerade geöffnet hast, gut schmecken!
    LG, Ramona

  2. Vielen Dank! Theoretisch würde ich jetzt ja eine Tafel Schokolade öffnen, praktisch versuche ich mich seit einer Woche an Projekt Zuckerfrei… 🙂 Aber die Vorfreude auf die Osterhasen wächst! Übrigens: Sehr schönen Blog hast du! LG Nadja

    • Aaach stimmt, da war ja was. Bzw. über #projektzuckerfrei bin ich ja erst auf diesen Beitrag gekommen. Entschuldige – mal wieder schneller geschrieben, als gedacht. 😀 Na dann: Weiterhin gutes Gelingen! Und danke für das Kompliment. 🙂

  3. Schokolade ist doch gar nicht so schlimm. Etwas Fett gehört dazu und Fett ist mittlerweile endlich auch eine anerkannte Komponente des Geschmacks. Der Körper bremst dann selbst schon, bevor es zu viel wird. Schwierig wird allenfalls der enthaltene Zucker durch unnötige Kalorien. Solange die aber nicht stören, warum nicht, denn Schokolade macht glücklich. Und Cholesterinwerte sind zunächst mal Marketing für die Pharma-Industrie. Solange die nicht völlig aus dem Ruder laufen, ist das völlig unproblematisch.

    • Alexandra von Knobloch

      Stimmt, lieber Peter. Leider, leider gibt es sehr viele Leute, bei denen Kalorien kleben bleiben. Seit einiger Zeit gibt es Anzeichen aus der Forschung, dass das mit der Darmflora zusammenhängt. Die wiederum ändert sich womöglich mit dem, was man isst. Das könnte das Dickwerden beschleunigen. Aber offenbar ja nciht bei allen Menschen, wie Nadja beweist.

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