Essverhalten: Wie die Psyche dich beeinflusst

Das Thema Essverhalten beschäftigt mich beruflich seit 16 Jahren. Seither schreibe ich regelmäßig Artikel über alle möglichen Facetten von gesunder Ernährung, über Abnehmen und Essstörungen. Mit der Zeit ist mir klar geworden, wie mächtig psychische Einflüsse sind. Etwa 80 Prozent unserer Essentscheidungen treffen wir unbewusst. Individuelle Erfahrungen und unser persönliches Lebensumfeld bestimmen maßgeblich, was jemand isst und wie viel davon.

Ein knurrender Magen – ein wahrnehmbares körperliches Signal für Hunger– ist für unsere Speisenwahl dagegen weniger relevant. Die Einflüsterungen, auf die wir reagieren, sind mitunter so subtil, dass selbst ein erklärter Vernunftesser (siehe unten) sich dem nicht entziehen kann. Zum Glück, denn erbitterte Esskontrolle ist ungesund. Ein nahegehendes Erlebnis dazu berichtet Nadja in ihrem Beitrag über ihre Erfahrungen mit dem zuckerfreien Leben.

Was ist ungesundes Essverhalten?

Allerdings haben nun einmal sehr viele Leute das Problem, hemmungslos zu verfetten, wenn sie sich unter den herrschenden Überflussbedingungen in ihrem Essverhalten von ihren Emotionen treiben lassen und essen, worauf sie gerade Lust verspüren. Dann wird ein Essverhalten rein nach dem Lustprinzip leider ungesund – obwohl man eigentlich nichts dafür kann, wenn man den dickmachenden Verlockungen der Lebensmittelindustrie erliegt.

Zunehmend mehr Menschen sind angeekelt von der Lebensmittelindustrie. Ein Teil davon – zu denen gehöre ich – hadern dabei vor allem mit der Entfremdung zwischen dem Menschen und seiner Nahrung. In dieser Extremform gibt es sie noch gar nicht so lange gibt. Noch vor 100 Jahren arbeiteten 38 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft – zumindest in der Verwandtschaft gab es fast immer einen Bauern. Die Beziehung zur Nahrung war damals eine andere als heute.

Kann man sein Essverhalten ändern?

Auf jeden Fall sehen immer mehr Menschen Bedarf, sich mit ihrem Essverhalten und ihren Ernährungsgewohnheiten auseinanderzusetzen. Oft bleibt man aber auf halber Strecke stecken. Ein paar Dinge sind relativ offensichtlich, wenn man ehrlich zu sich ist. Andere schätzt man ohne Anregung von außen falsch ein. Darum habe ich hier 17 Ernährungsmotive und -typen zusammengestellt, die auf einem Vortrag des Ernährungspsychologen Christoph Klotter basieren. Die 17 Aspekte,  die da zusammenkommen, lassen sich als einzelne Bausteine verstehen. Mit ihnen kann jeder sein eigenes Bild über seine Essgewohnheiten zusamenfügen. Ein Selbsttest quasi, der einem  Überblick darüber verschafft, was einen in bestimmten Situationen zum Kühlschrank treibt oder beim Einkaufen bewegt.

Jedes Bild, das da entsteht, ist individuell, denn jeder Mensch vereint zeitgleich mehrere Motive in sich, die sein Essverhalten prägen – auch widersprüchliche. Wer das erkennt, findet in seinem Muster gute Ansätze, um sein Essverhalten zu ändern. Grundsätzlich sind einige Esstriebe zwar sehr, sehr starke Gegner: zum Beispiel die Lust auf Zucker, die genetisch angelegt ist; oder eine frühe Prägung auf fette Speisen, wie es sie bei Mutti immer so lecker gab. Aber mit einem guten Plan und festem Willen, kann man immer etwas ändern.

Ich fand das selbst sehr hilfreich. Ich dachte immer, ich wäre vor allem Stressesser, bin aber offenbar deutlich lerngetrieben. Seitdem ich das weiß, kann ich auf einmal prächtig ohne Popcorn im Kino leben.

Hier nun die 17 Esstypen, Stellvertreter für typisches Essverhalten. Erkennst du dich wieder?

1) Die Lernmaschine

Theorien aus der Lern- und Verhaltens-Theorie stehen hinter diesem Typus von Essverhalten. Wenn wir zum Beispiel ins Kino gehen, bestellen wir immer Popcorn oder immer Gummibärchen. Warum? Weil wir auf einen immer gleichen Reiz – hier das Kino – mit einer immer gleichen Reaktion – Popcorn kaufen – reagieren. Die Reaktion auf den Umwelteinfluss lernen wir durch Wiederholung und positive Verstärkung. Wie der Pawlowsche Hund. Im Kino-Fall: Der Film ist spannend und gut. Bei diesem angenehmen Erlebnis war Popcorn dabei, also möchte ich beim nächsten Mal, wenn ich wieder einen spannenden Film erwarte, auch Popcorn. Irgendwann wird es zum Automatismus: Kino = Popcorn.

Ähnlich ist es zum Beispiel mit:

Sonntag = Torte zum Kaffee

gute Schulnote = ein Belohnungseis

Einkaufen im Supermarkt = hinterher einkehren im Burger-Restaurant um die Ecke

2) Das Tier im Menschen

Ein Ansatz aus der Biologie: Der Mensch isst um zu überleben. Da es die meiste Zeit in der Evolutionsgeschichte unsicher war, wann das nächste Mal ausreichend Nahrung zu Verfügung steht, gab es einen Selektionsdruck in Richtung: „Iss so viel du kannst, und zwar möglichst kalorienreich, also süß und fett.“ Unter unseren Ahnen hatten demnach diejenigen mit einem genetisch bedingten Appetit für viel, süß und fettig einen Überlebensvorteil. Dagegen wäre die Menschheit wohl ausgestorben, wenn der Typ „Weltverbesserer“ (siehe nächster Punkt) als erster auf Erden gewandelt wäre. Das Problem dabei: Beim heutigen Nahrungsüberfluss wird süß und fettig für den Einzelnen schnell schädlich und ungesund. Den Nahrungsmittelkonzernen ist das geschäftsbedingt egal. Sie nutzen das Ausgeliefertsein an genetische Programme aus, packen immer mehr billiges Fett und billigen Industriezucker an Stellen, an denen das keiner vermutet – und bereichert sich so an menschlichen Urbedürfnissen, die das Essverhalten heimlich steuern.

3) Der Weltverbesserer

Der stern titelte im Februar 2015: „Essen: Die neue Religion“. Das Blatt beschrieb einen Typus Mensch, der „nicht mehr in der Kirche nach Erlösung trachtet, sondern Körperoptimierung, Moral und Selbstkontrolle ins Zentrum seines Strebens rückt“. Veganer, zuckerfrei-Esser, Paleo-Diät-Jünger und diverse andere gehören dazu. Dahinter vermuten Wissenschaftler unterschiedliche Motive. Neben dem religiösem, sich nicht gegen die Natur und sich selbst versündigen zu wollen, ginge es auch um Abgrenzung von vermeintlich triebgesteuerten Schichten und sozial Schwachen.

Andere sehen darin Ausdruck einer schon in der Kindheit beginnenden Entfremdung von natürlichem Essverhalten. Kennzeichnend ist der Glaube an bestimmte Ernährungs-Regeln – oft ohne deren Fundament darauf zu prüfen, ob es überhaupt sinnvoll ist. Sich nach ihnen zu richten, hilft auf jeden Fall dabei, genetischen Programmen, wie der Lust auf Süßes, zu widerstehen. Aktuell mag das vielen Menschen dabei helfen, ihr Gewicht im Griff zu behalten. Die Industrie ist aber schon sehr gut darauf eingestellt und packt Zusatzstoffe und Kalorien in Lebensmittel, die edel aussehen, aber billig produziert sind.

4) Der Esser ohne Reue

Hierzu zählen Menschen, die essen, worauf sie Lust haben, ohne vorher und hinterher Gedanken an irgendwelche Konsequenzen zu verschwenden: Ist das gesund? Macht es mich dick? Esse ich aus Hunger oder nur aus Genuss? All solche Überlegungen sind ihnen fremd. Sie gelten als fast ausgestorben. Denn nur noch sehr schlanke und gesunde Menschen können es sich auf Dauer erlauben, alles zu essen, ohne schief angeschaut oder ermahnt zu werden. Zugleich sind wohl die meisten sehr schlanken und gesunden Menschen vor allem deshalb dünn und fit, weil sie sich bereits gesellschaftlichen Zwängen unterwerfen. Ernährungswissenschaftler beklagen einen bedenklichen Trend, dass nicht einmal mehr Kleinkinder einfach essen dürfen, was und wie viel ihnen schmeckt – mit Konsequenzen für das ganze weitere Leben.

5) Der Normsklave

Dieser Typus hat keine Nachwuchssorgen: Normsklaven essen, um einem Ideal zu entsprechen und dazuzugehören. Sie wollen schlank sein, gesund, jugendlich… . Hauptsache passend zu den Menschen, in deren Gesellschaft sie sich bewegen (möchten). Die eigenen Bedürfnisse stellen sie dafür hinten an, bis sie fast verschwinden. Das geht soweit, dass sich diese Menschen auch problematischen Normen anpassen. Zum Beispiel steigt seit Jahrzehnten der Druck, schlank zu sein, um zu gefallen. Es gibt kein Gesetz, dass irgendjemanden zwingt, seinen BMI unter 25 zu pressen, trotzdem hungern täglich Hundertausende in Deutschland freiwillig, nur um zwei, drei Kilo loszuwerden, die sie von einer bestimmten Zahl trennen.

6) Der Kopfschrittmacher

Das Essverhalten, was und wie viel man isst, wird entscheidend vom Gehirn bestimmt. Maßgeblich beteiligt ist das limbische System, das für Triebe und Emotionen eine große Rolle spielt. Die wenigsten Menschen bleiben gefühlsmäßig unbeteiligt, wenn es ums Essen geht. So ist das unter anderem mit einem Lieblingsgericht wie Pizza. Unser inneres Bild umfasst nicht nur ein Rezept, ein Aussehen und einen Geschmack dafür, sondern auch ein Gefühl. Pizza ist für denen einen „cooles Fetenessen „. Für den anderen „böses Fett“. Für den nächsten vielleicht „endlich Feierabend“ oder „Entspannung am Abend“. Solche unbewussten Mechanismen fließen in bewusste Gedanken um Geschmack und Genuss ein. Und die machen wir uns ständig, weil wir – zumindest in unserer Wohlstandsgesellschaft – häufiger Appetit haben als Hunger, und der „Kopfschrittmacher“ am Werk ist. Zum Beispiel auch, wenn man Milka-Werbung sieht und danach unbedingt Schokolade braucht.

7) Der Krieger

Dieser Typus grenzt sich über das Essen sozial ab. Er kauft Bio oder ernährt sich betont gesund. Denn er hat’s ja und möchte auf keinen Fall mit Leuten verwechselt werden, die sich nur Linseneintopf und anderen Billigkram leisten können. Soziologisch betrachtet spielt Essen damit als Machtdemonstration auf einem Kriegsschauplatz statt. Klotter berichtet, dass in der frühen Neuzeit Adelige in der Öffentlichkeit gegessen haben, um dem armen Volk zu demonstrieren, wie prächtig sie leben können.

Manche Experten vermuten, dass hinter dem Weltverbesserer (Typ 3) manchmal in Wahrheit ein Krieger steckt. Zumal sich jemand, der durch sein (Ess-)Verhalten die Welt retten möchte, leicht in missionarischem Eifer auf einen Kreuzzug begibt.

8) Der Souverän

Wir alle streben nach Souveränität: Keiner mag es gerne, wenn ihm jemand Vorschriften machen will oder ihn belehrt. Auch beim Essen nicht. Das ist vermutlich einer der Gründe warum sich vernünftige Ernährungsgewohnheiten so schwer durchsetzen. Denn wenn einem jemand rät, die Bratkartoffeln lieber durch Pellkartoffeln zu ersetzen, weil das besser für die Kalorienbilanz ist, fühlt man sich sofort in seiner Freiheit eingeschränkt – man schaltet auf Durchzug oder geht auf Abwehr. Ein Beispiel: Das Elternhaus ist sehr gesundheitsbewusst eingestellt. Auf den Tisch kommt jede Menge Gemüse, gerniert mit Vorträgen über den besonderen Wert von Broccoli und Spinat. Sobald man zu Hause auszieht, ernährt man sich erst einmal Monate lang von Döner oder Nudeln.

9) Der Kulturzugehörige

Mia san mia: Gemeinschaftsgefühl und Identitätsstiftung, darum geht es hier. Und das ist eine Ursache, warum manche Menschen jeden Sonntag Schweinsbraten essen und Sushi unvorstellbar finden. Laut Gesundheitswissenschaftlern ist Zugehörigkeit ein starkes Essmotiv, das gesundheitliche Überlegungen locker aussticht. Kulturzugehörigkeit beginnt oft schon bei kleinen Dingen, etwa bei der Frage, ob man morgens ein Marmeladenbrot isst oder eine mit Wurst belegte Semmel.

10) Der gute Mensch

Es ist einfach schön, sich beim Essen moralisch auf der richtigen Seite zu fühlen. Wenn man weiß, das kein Tier dafür leidet, schmeckt der Salat gleich noch besser. Die extremste Ausprägung dieses Essverhaltens sind Frutarier. Sie essen ausschließlich pflanzliche Produkte, welche die Pflanzen nicht nachhaltig beschädigen: Obst, Samen und Nüsse. Ein gewisser Hang, Unwissende und Uneinsichtige zu bekehren, gehört zu diesem Typ. Denn gut zu sein macht mehr Spaß, wenn man darüber redet. Es bestehen also im Auftreten Parallelen zum Beispiel zum Weltverbesserer (Typ 3) oder zum Krieger (Typ 7). Aber die Grundmotivation ist anders.

11) Der Vernünftige

Selbstdisziplin gilt heutzutage als Tugend – auch beim Essen. Also geht man es systematisch an. Wie viele Kalorien billige ich mir heute zu? Gönne ich mir fünf Kartoffelchips oder nur drei? Esse ich Fleisch oder werde ich Vegetarier? Ziel ist es, die Kontrolle über sich und seinen Körper zu behalten, bis hin zur Askese. Lohn für die selbst auferlegte Reglementierung ist das Gefühl, zügellosen Menschen überlegen zu sein. Die Idee der Mäßigung als Wert geht im Abendland auf Pythagoras und Platon zurück und birgt die Gefahr des moralischen Masochismus. Extremes Vernunftessen beschreiben viele Menschen mit Essstörungen als Anfang ihrer Krankheit.

12) Der Konfliktesser

Diese Betrachtungsweise geht auf die Psychoanalyse zurück. Demzufolge entwickeln manche Menschen Essstörungen, weil sie übers Essen versuchen, (unbewusste) innere Konflikte für sich erträglicher zu machen.

Sigmund Freud zum Beispiel glaubte, dass Essprobleme in der oralen Phase programmiert werden. Motto: Ein Baby erlebt eine starke Versagung und ist dann ein Leben lang auf der Suche nach üppiger Nahrung. Ebenso recht alt ist der Erklärungsversuch der Psychoanalytikerin Hilde Bruch. Sie nahm unter anderem an, dass Kinder anfangen, alle ihre inneren Reize durch Sich-Vollstopfen zu beantworten, wenn die Mutter dem Kind bei jedem Quengeln die Flasche gibt, statt die Auslöser solcher Unmutsäußerungen richtig zu differenzieren.

Letztendlich läuft dieser Erklärungsansatz darauf hinaus, dass Essverhalten – aus welchen Gründen auch immer – den Aspekt des unzureichenden Selbstheilungsversuchs beinhalten kann.

13) Der Emotionsmanager

Heute war ein Scheiß-Tag, jetzt brauche ich wenigstens etwas wirklich Gutes zum Essen. Wut gleich Schnitzel, Einsamkeit gleich Chips sind solche typischen Mechanismen. Man isst, um negative Emotionen auszugleichen – sie zu managen. Das Tückische daran: Wir alle lernen ziemlich früh, dass Essen eine Art Belohnung ist, etwas das man sich gönnt. Zum Beispiel, wenn man als Kind eine Tafel Schokolade bekommt, weil man eine gute Note heimgebracht hat. Oder wenn Eltern sagen: „Jetzt hast Du aber schön dein Gemüse aufgegessen. Gut gemacht!“ Irgendwann läuft dann innerlich ein Programm ab, in der Art von: „Heute habe ich diesen Tag trotz aller Widrigkeiten überstanden! Jetzt esse ich was Schönes.“

Da Essen immer und überall verfügbar ist, eignet es sich besonders gut als schneller Lohn. Es ist meist einfacher zu haben, als beispielsweise ein Gespräch mit einem Freund – das sich ja eigentlich ebenso eignen würde, um die Laune nach einem langen Tag zu heben. Problematisch wird das Belohnungsessen, wenn „schönes Essen“ vor allem „reichhaltig“ und „viel“ bedeutet. Dann futtern sich emotionsgetriebene Esser oft dick.

14) Der Selbstverwirklicher

Leute die Food-Blogs schreiben führen dieses Ess-Motiv in ihrem Repertoire. Denn Essen und das ganze Drumherum kann ein Mittel sein, um sich selbst zu verwirklichen. Sei es, indem man seine Kochkunst perfektioniert oder sich als Gourmet oder perfekter Gastgeber präsentiert. Das Internet ist voll von Foodies, also ernsthaft begeisterten Essensliebhabern, für die Qualität von Lebensmitteln und Esskultur ein Stück ihres Selbstverständnisses ausmachen.

Ebenso fallen Menschen mit dem Hang zu allen möglichen Kochgadgets in diese Kategorie und solche, die auf passendes Geschirr oder Tischdeko beim Essen großen Wert legen.

Schließlich scheint in dieser Betrachtung auch der positive Teil der komplexen Essmotive auf, die einen zum Beispiel zum Vegetarier werden lassen.

15) Das geistige Wesen

Dies ist der Gegenentwurf zum „Tier im Menschen“ (Typ 2) . Er wirft ein Schlaglicht auf das Essen als kulturelle Errungenschaft – als bewusste Abgrenzung zu tierischen Instinkten. Nach dem französischen Ethnologen Claude Levi-Strauss ist es eine primäre Bestrebung des Menschen sich über das Tier zu erheben. Aufs Essverhalten übertragen bedeutet das unter anderem, dass wir gelernt haben, Feuer zu machen, zu kochen und eine Esskultur zu entwickeln, die Urstinke auch ignoriert. Stark vereinfacht ausgedrückt: Das Tier in uns isst alles, was ihm unterkommt – es weiß ja nie, wann es das nächste Mal Essbares findet oder Beute erlegt. Das geistige Wesen in uns befähigt uns dagegen zur Mäßigung oder dazu, winzig kleine, aber aufwendig zubereitete und angerichtete Häppchen in Zeitlupentempo mit Messer und Gabel zu essen – und das geil zu finden, weil wir als Menschen es können.

16) Der Systemgefangene

Dieser Einfluss aufs Essverhalten basiert auf der systemtheoretischen psychologischen Wissenschaft. Demnach sind Individuen Teile eines Systems. Dieses System setzt Regeln und diktiert damit das Verhalten des Individuums. Konkret ausgedrückt: Ein System wie „die Familie“ bestimmt, was auf den Tisch kommt, wann wir essen und was wir essen. Oft nehmen wir die Ernährungsgewohnheiten unserer Herkunftsfamilie mit ins Erwachsenenalter, behalten sie bei und geben sie an unsere Partner und Kinder weiter.

Menschen, dies sich damit beschäftigen, Übergewichtigen zu einem dauerhaften Abnehmerfolg zu verhelfen, wissen, warum dieser psychische Esseinfluss das Wort „Gefangene“ enthält: Es ist wahnsinnig schwer für Menschen, Gewohnheiten zu ändern, die in der Kindheit geprägt wurden und über Jahrzehnte eingeübt sind. „Ein Wurstbrot schmeckt auch ohne Butter darunter“, sagt sich leicht und stimmt sogar. Trotzdem schaffen es sehr, sehr viele Leute einfach nicht, das neue Geschmackserlebnis des Brotes ohne Butter als „anders aber gleichwertig“ anzunehmen. Es bleibt für sie immer die schlechtere Wahl. Irgendwann haben sie keine Lust und keine Kraft mehr, sich damit zu begnügen und fallen in alte Ernährungsmuster zurück.

Furchteinflößend sind die Beispiele, die Klotter anführt, um zu erklären, wie das System seine Regeln durchsetzt: Er berichtet von einer Frau, die es schaffte dünner zu werden, weil sie es für sich wollte. Irgendwann sagt ihr Mann zu ihr: „Wenn Du weiter abnimmst, kannst Du gleich die Koffer packen.“

17) Der Genießer

Klingt nach gutem, gesunden Essverhalten. Trotzdem versaut die Hingabe an den Genuss sehr vielen Menschen die Figur und hindert sie, sich gesund zu ernähren. Der Grund: Emmanuel Levinas, ein französischer Phänomenologe und Philosoph, stellt fest, dass Genuss keine Finalität hat. Das heißt: Wir glauben womöglich selbst daran, dass wir bestimmte Dinge essen, weil sie gesund sind. In Wahrheit aber spricht Essen immer auch die unendliche Lust auf den Genuss an: auf guten Geschmack, auf das ästhetische Erlebnis an einer gedeckten Tafel zu speisen, oder auf den Spaß an einer geselligen Runde.

Wir können uns demnach nicht auf die reine Nützlichkeit des Essens beschränken, sondern erliegen regelmäßig der Verlockung. Denn Genuss demonstriert Unabhängigkeit, die wir uns nicht nehmen lassen wollen. So gesehen, ist es ein Akt der Autonomie, Schokolade zu essen, obwohl der Arzt sagt, solche Kalorien solle man sich aus gesundheitlichen Gründen lieber verkneifen.

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