Die Wahrheit über Naturkosmetik: Wie natürlich ist deine Creme?

Die Wahrheit über Naturkosmetik healthandthecity.de
Nur weil „bio“ drauf steht, ist längst nicht „bio“ drin – doch wie erkennst du echte Naturkosmetik?  Was genau dahinter steckt und wie natürlich Naturkosmetik überhaupt ist, weiß kaum jemand. Es ist aber auch verwirrend: Jede zweite Creme schmückt sich mittlerweile mit dem Aufdruck „bio“, „natürlich“, „öko“ oder „vegan“. Die Hersteller haben da ziemlich freie Hand und du musst wissen:

Naturkosmetik ist kein geschützter Begriff

Naturkosmetik bezeichnet erst einmal Produkte, die aus natürlichen, naturnahen oder sogenannten naturidentischen Inhaltsstoffen bestehe. Das heißt nicht, dass deine Creme oder Lotion ausschließlich natürliche Stoffe enthält, sie können nur die Hälfte ausmachen oder einen kleinen Teil, es können mehr synthetische sein als natürliche – anything goes. Es gibt also keine offizielle, von oben abgesegnete Abgrenzung zwischen konventioneller Kosmetik und Biokosmetik. Außerdem darf man nicht vergessen: Kosmetik per se ist nicht natürlich, denn die Stoffe müssen chemisch verarbeitet werden, um eine gute Creme aus ihnen zu machen. Man quetscht ja auch nicht einen Bio-Apfel in eine Tube und verkauft das dann als Creme.

Wie erkenne ich echte Naturkosmetik?

Da es der Gesetzgeber nicht getan hat, haben sich schon vor einigen Jahren Hersteller zusammen getan und Standards für „kontrollierte“ oder „zertifizierte“ Naturkosmetik entwickelt. Heraus gekommen sind verschiedene Siegel und Label, die immer mehr Marken tragen.

Das sind die wichtigsten Standards

  • verwendet werden pflanzliche Rohstoffe und diese stammen aus zertifiziertem, ökologischen Anbau
  • tierische Produkte und Tierversuche sind ausgeschlossen, allerdings sind Tierversuche für Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten in der EU auch schon seit 2013 verboten.
  • keine Stoffe wie Silikon oder Mineralöle (Paraffin)
  • keine Konservierungsstoffe wie Parabene – die Produkte müssen aber natürlich trotzdem konserviert werden, sonst werden sie schlecht. Naturkosmetik-Hersteller setzen daher auf natürliche oder  naturidentische Konservierungsmittel, wie zum Beispiel Ascorbinsäure, besser bekannt als Vitamin C.
  • keine synthetischen/künstlichen Stoffe, zum Beispiel synthetische Farb- oder Duftstoffe

Das sind die wichtigsten Siegel

Besonders genau an diese Richtlinie halten sich das Siegel „Kontrollierte Kosmetik“ des BDIH und das Natrue-Label. Zur besseren Übersicht gibt es darüber hinaus bei Natrue drei Stufen:

  • Naturkosmetik
  • Naturkosmetik mit Bio-Anteil
  • Biokosmetik

Je nach Stufe sind die Anforderungen weniger streng, wer seine Kosmetik möglichst „echt“ und „natürlich“ haben möchte, sollte nach den höchsten Anforderungen Ausschau halten. Gut zu wissen: Zertifiziert wird immer nur das einzelne Produkt, nie die ganze Marke. Bei Natrue gibt es eine Übersicht der zertifizierten Produkte.

Die Wahrheit über Naturkosmetik 2 healthandthecity.de

Echte Naturkosmetik erkennst du am Label – zum Beispiel an dem von NATRUE

Die Hersteller bestimmen, was Naturkosmetik ist

Auch das sollte jeder wissen, der Naturkosmetik verwendet. Keine staatliche Stelle, kein wissenschaftliches Institut legt diese Standards fest: die Hersteller haben sie sich selbst gegeben. Das ist löblich – aber es lohnt sich darüber nachzudenken, was diese Regeln taugen, welche Firmen sich auch daran halten und welche einfach nur „bio“ oder „natürlich“ auf die Packung schreiben. Die Produkte von „The Body Shop“ – die Biokosmetik-Marke der ersten Stunde, möchte man meinen – zum Beispiel tragen keines der oben genannten Label. Sie enthalten neben natürlichen Inhaltsstoffen eben auch synthetische. Der Vorwurf des „Greenwashing“ ist da nicht weit, nämlich dass sich manche Marken einfach ein „grünes Image“ verpassen, sich dahinter aber eigentlich konventionelle Kosmetik verbirgt. Interessanterweise sind das meist Marken, die zu großen Unternehmen gehören. The Body Shop gehört zum Beispiel (noch) zu L’Oreal.

Ist mein Produkt auch vegan?

Na klar – wenn es tierversuchsfrei ist, ist es doch auch vegan! Oder nicht? Dachte ich auch und habe in der ersten Version dieses Beitrags geschrieben, dass es doch ziemlich überflüssig sei, auf ein Produkt „vegan“ zu schreiben, wenn es doch sowieso ohne tierische Stoffe und Tierversuche auskommt. Aber das ist ein bisschen zu kurz gedacht: Kosmetik enthält nämlich häufig doch tierische Rohstoffe, zum Beispiel Milch, Honig oder Bienenwachs. Von daher macht das Label „vegan“ natürlich Sinn, wenn du auch bei deiner Kosmetik auf tierische Inhaltsstoffe verzichten möchtest. Naturkosmetik ist also nicht automatisch vegan. Bei PETA Deutschland werden die Unterschiede etwa zwischen veganer, tierversuchsfreier und Kosmetik gut erklärt.

Nicht jede Haut verträgt Naturkosmetik

Natürliche Produkte = schonend zur Haut? Die Vermutung liegt nah, doch so einfach ist die Rechnung nicht. Eine normale, gesunde Haut kommt so ziemlich mit jeder Creme gut aus und reagiert höchstens ablehnend, wenn das Produkt zu reichhaltig ist oder zu wenig Feuchtigkeit enthält. Wenn die Haut aber juckt oder brennt, verträgt sie die Creme eventuell nicht. Wenn deine Haut sehr empfindlich ist und per se nicht jedes Produkt verträgt, solltest du auch Biokosmetik nur vorsichtig testen, zum Beispiel mit einer kleinen Menge in der Armbeuge. Vorsichtig solltest du auch sein, wenn wenn du an Neurodermitis oder einer anderen Hautkrankheit leidest. Es kann sein, dass Naturkosmetik dann nicht das richtige für dich ist – frag am besten deinen Hautarzt.

Warum ich Naturkosmetik verwende

In meinem Badezimmer finden sich immer mehr Naturkosmetik-Produkte. Erstens aus einem ganz banalen Grund: Viele finde ich mittlerweile ziemlich toll. Früher waren die Cremes für mich vor allem ziemlich fettige Zubereitungen, die intensiv nach Rose dufteten. Das hat sich längst gewandelt. Zweitens weiß ich bei zertifizierter Naturkosmetik sicher, dass sie ohne Inhaltsstoffe wie Silikon oder Mineralöle und Mikroplastik auskommt. Mikroplastik, was ist das überhaupt? Die Kunststoff-Teilchen sind winzig (kleiner als fünf Millimeter), aber ein großes Problem für die Umwelt. Kosmetik enthält häufig Mikroplastik in fester oder flüssiger Form (zum Beispiel Schleifmittel in Zahnpasta oder Peeling-Körnchen) und das muss nicht sein. Mikroplastik gelangt über das Abwasser in unsere Flüsse und Seen und sogar ins Meer. Beim Bund Naturschutz kannst du einen Einkaufsratgeber herunterladen, der viele Kosmetikprodukte auflistet, die Mikroplastik enthalten.

Die Wahrheit über Naturkosmetik 3 healthandthecity.de

Skeptisch? Bei Naturkosmetik lohnt es sich genauer hinzuschauen

In meinem Badezimmer findet sich allerdings nicht nur Naturkosmetik – warum das so ist und warum ich noch kein Naturkosmetik-Deo gefunden habe, das mich überzeugt, erzähle ich im nächsten Beitrag.

Liebe Grüße,
Nadja

 

4 Comments

  1. Hallo liebe Nadja,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Für Deo hab ich zwei Dinge, ein Handdesinfektionsmittel wahlweise mit Orange oder Lavendel als Alternative ausfindig gemacht (von meiner Kosmetikerin empfohlen gekriegt, da ich nichts vertrage unter den Achseln… leider) oder es gibt ein Deo von ringana…. inwieweit diese österreichische Firma allerdings von den obigen Ausfertigungen abschweift, darfst du gerne bei denen mal auf der Seite schauen… Einen schönen Sonntag 😀

    • Nadja Katzenberger

      Liebe Sabine,
      danke für den Tipp, da schau ich doch gleich mal nach! Sonnige Grüße, Nadja

  2. Der Artikel hat mir sehr gut gefallen, besonders die Sache, dass die Firmen be der Selbstzertifizierung keine konkreten Standards vorweisen müssen.

  3. Hallo Nadja,
    ich bin auf der Suche nach einem Naturkosmetik Deo auf die Deocreme eskay gestoßen, die dazu auch noch plastikfrei verpacken. Und auch die Funktion des Deos hat mich komplett überzeugt.
    Lg Claudia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.