Die 10 hilfreichsten Hausmittel gegen Erkältung

„Du als Medizinjournalistin, welche Hausmittel empfiehlst du gegen eine Erkältung?“ Diese Frage höre ich zur Zeit oft. Mal ganz ehrlich: Ich bin ein Freund des Unkomplizierten. Wenn es mir schlecht geht, nehme ich am liebsten einen fertigen Teebeutel, gieße heißes Wasser auf und fertig. Oder ich lutsche Halstabletten aus der Apotheke statt mir umständlich eine Gurgellösung zusammenzumischen. Aber fest steht: Wenn man sich die Mühe der Zubereitung macht, helfen Hausmittel gegen eine normale Erkältung genauso gut wie teurere Fertigarzneien.

Als Kind haben sich meine Oma und meine Mutter stets die Mühe gemacht, mich mit Tees, Wickeln und Inhalationen zu versorgen. Ich habe also tatsächlich ein paar Rezepte auf Lager. Hier ist meine Hitliste der besten Hausmittel gegen Erkältung. Mit ihnen deckst du alle typischen Symptome der Erkältung ab: Halsschmerzen, Schnupfen, Ohrenstechen, Husten und Fieber. Damit ergänze ich meinen Beitrag mit Tipps zum Thema „Erkältung vorbeugen“ hier im Blog.

1) Ein ansteigendes Vollbad

Eine typische Erkältung, ein sogenannter grippaler Infekt, beginnt meist mit Halsweh. Einige Stunden später fängt die Nase an zu laufen. Gleichzeitig merkt man, wie man müde wird und schlapp. Man bekommt vielleicht Kopfweh und ganz langsam fühlt man sich richtig krank.

Wenn man jetzt schnell ist und sofort beim ersten Kratzen im Hals aktiv wird, besteht tatsächlich eine Chance, den Infekt noch zu stoppen. Dafür braucht man ein ansteigendes Vollbad.

So geht’s: In ein angenehm temperiertes Wannenbad legen (etwa 34 Grad) und über 15 Minuten langsam sehr heißes Wasser zulaufen lassen. Die Temperatur soll allmählich auf maximal 39 Grad ansteigen – daher der Name „ansteigendes Vollbad“.

Achtung: 39 Grad sind sehr heiß. Wenn man Fieber hat, darf man seinen Körper so einer Belastung nicht mehr aussetzen. Dann auf keinen Fall heiß baden! Das Badeverbot gilt auch, wenn man allgemein zu Herz- oder Kreislaufproblemen neigt. Die Temperatur unbedingt mit einem Thermometer kontrollieren, um sich nicht zu verbrühen.

So wirkt’s: Die Wärme regt den Kreislauf an, fördert die Durchblutung – auch der Schleimhäute ­– und bringt so auch die Abwehrzellen in Schwung. Haben sich die Erkältungsviren noch nicht stark vermehrt, kann das Immunsystem sie manchmal noch niederringen.

Alternative: Ansteigendes Fußbad

Du hast keine Badewanne oder badest nicht gerne? Ein Fußbad erfüllt den gleichen Zweck – die Infektion noch abzuwenden. Nimm ein ausreichend hohes Gefäß, in dem das Wasser Füße und Waden bedeckt. Fange bei 34 Grad an und gieße 10 min lang aus Thermoskannen heißes Wasser zu. Bei den Füßen kannst du bis 42 Grad hochgehen, wenn du es aushältst. Unbedingt mit Thermometer! Und auch hier gilt: Nicht mehr baden, wenn du schon Fieber hast!

2) Ausreichend trinken und Schleim lösen

Hat man sich die Erkältung wirklich eingefangen, ist alles sinnvoll, was den Schleim lockert. Allem voran: ausreichend trinken.

So geht’s: Die Betonung liegt auf ausreichend. Was man trinkt, ist fast egal, solange es kein Alkohol ist. Irgendwas zu trinken soll ein Hausmittel gegen Erkältung sein? Definitiv ja. Wenn du dich krank fühlst, solltest du dich nicht zusätzlich mit Tees quälen, die dir nicht schmecken. Denn dann würde es hart, auf die empfohlenen Mengen zu kommen. Dann lieber Wasser, Cola oder Karamalz (das Wundermittel meiner Oma). Hauptsache genug.
Genug heißt bei Erwachsenen mit einem grippalen Infekt: 1,5 Liter am Tag plus 0,5 bis 1 Liter zusätzlich für jedes Grad Fieber. Bei 38 Grad also mindestens 2 Liter. Es ist übrigens ein Gerücht, dass man bei einer Erkältung nur Warmes trinken darf. Gerade bei Fieber tuen auch zimmertemperierte Getränke gut. Nur eisgekühlt sollten sie nicht sein, um den Kreislauf nicht mit Mini-Frostschocks zu belasten.

So wirkt’s: Den Flüssigkeitsnachschub braucht der Körper, um die Schleimproduktion hoch zu halten. Über den Schleim werden die Erreger von den Schleimhäuten aus dem Körper gespült.

3) Tee mit Honig

Klar, wer Tee mag, kann mehr als das reine Trinken tun, um sein Immunsystem im Kampf gegen die Erkältung zu unterstützen. Vor allem am Abend hat sich ein Glas Tee mit Honig als Hausmittel bewährt.

So geht’s: Einen Tee zubereiten, den man gerne hat. Ist dieser auf Trinktemperatur abgekühlt, einen Teelöffel Honig hineinrühren.

Achtung: Dieses Hausmittel kann nur richtig wirken, wenn du einen Honig gekauft hast, der bei der Herstellung nicht zu hoch erwärmt wurde. Sonst hat die Hitze viele wichtige Wirkstoffe zerstört. In diesem Sinne „guten“ Honig bekommst du eigentlich nur direkt beim Imker. Dort nachfragen.

So wirkt’s: Honig ist antibakteriell, antimykotisch und antioxidativ. Diese heilenden Eigenschaften verdankt er verschiedenen sekundären Pflanzenstoffen, vor allem Polyphenolen und Flavonoiden. Aber, wie gesagt, sie sind nicht hitzebeständig. Außerdem wirkt das Bienenprodukt schleimfördernd. Die wichtige Sekretbildung (siehe „viel trinken“) wird durch den hohen Zuckergehalt angeregt. Abends ist der Honig besonders gut, weil er über Nacht wirken kann, wenn der Körper ruht und das Immunsystem „ungestört“ ist.

4) Nasenduschen gegen Schnupfen

Eine Untersuchung einer Krankenkasse hat gezeigt, dass tägliche Nasenspülungen bei einer Erkältung die Atemwege befreien. Bei regelmäßiger Anwendung über längere Zeit wirken sie sogar vorbeugend.

So geht’s: Du brauchst eine Nasendusche. Die gibt es für wenig Geld in Apotheken oder Drogerien. Teure Packungen mit dem Spülsalz kannst du dir definitiv sparen. Die „physiologische Kochsalzlösung“, die du benötigst, kannst du dir ganz einfach selbst machen: Rühre 9 Gramm Salz (dein ganz normales Salz aus der Küche) in einen Liter lauwarmes Wasser ein, bis es sich vollständig aufgelöst hat. Fertig ist dein Hausmittel. „Physiologisch“ heißt nämlich nichts anderes, als dass die Salzkonzentration des Wassers genau jener entspricht, die der Körper braucht und am besten aufnehmen kann. Und das ist eben eine 0,9-prozentige Kochsalzlösung.

Fülle deine Nasendusche und lasse das Wasser über ein Nasenloch rein laufen. Halte den Mund offen und atme ganz normal. Der Schwall kommt automatisch auf der anderen Seite wieder raus. Das ist beim ersten Mal sehr seltsam, ein bisschen wie unfreiwillig tauchen. Aber man gewöhnt sich superschnell daran.

So wirkt’s: Die Nasenspülung unterstützt die Selbstreinigung der Nasenschleimhaut, denn sie befreit die Nase von zähem Schleim, in dem Bakterien siedeln, die eine Erkältung verschlimmern können. Längerfristig fördert die spezielle Salzdosierung, die genau zum Körper passt, den natürlichen Sekretabfluss.

5) Salbeitee gegen Halsschmerzen

Der Rachen ist normalerweise der erste Angriffspunkt für Erkältungsviren. In den meisten Fällen würden die Schluckbeschwerden ohne jede Behandlung nach einigen Tagen abklingen. Aber Halsweh ist so unangenehm, dass man sich Hilfe wünscht. Das Entscheidende ist dabei, die Kehle zu befeuchten. Warum ich dabei ausgerechnet auf Salbeitee schwöre, erfährst du gleich unter „So wirkt’s“.

So geht’s: Für den Tee 1 Esslöffel (2,5 Gramm) getrocknete Salbeiblätter mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen. Zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen. Über den Tag verteilt 3 bis 4 Tassen trinken.

So wirk’s: Wie gesagt, um Halsschmerzen mit einem Hausmittel zu lindern, eignet sich alles, was den Speichelfluss anregt. Das kann ein ganz normales Bonbon sein. Salbei hat aber den Zusatzeffekt, dass er antiviral und entzündungshemmend wirkt – und damit im Rachen hilft, die Erkältungserreger platt zu machen.

Alternative: Gurgeln mit Salbeilösung

Du magst keinen Salbeitee? Dann bringt mehrmals tägliches Mundspülen oder Gurgeln mit einem Salbeisud Linderung bei Halsweh. Dafür 1 Esslöffel (2,5 Gramm) getrocknete Salbeiblätter mit 100 Milliliter kochendem Wasser übergießen. Zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen. Auskühlen lassen und verwenden. Übrigens: Auch die Kochsalzlösung für die Nasendusche eignet sich ideal zum Gurgeln, wenn man den Salzgeschmack mag.

Ein Salbeipflänzchen: Für Tee die Blätter vor der Blüte ernten und trocknen

6) Zwiebelsäckchen gegen Ohrenschmerzen

Ohrenschmerzen während einer Erkältung sind meist ein Zeichen, dass der Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Nasenraum – die eustachische Röhre – zugeschwollen ist. Der bequeme Mensch schluckt ein Schmerzmittel, wenn ihn Ohrenschmerzen plagen. Und nimmt außerdem abschwellende Nasentropfen. Als Hausmittel bei Ohrenschmerzen sind aber Zwiebelauflagen unschlagbar.

So geht’s: Eine Zwiebel hacken, auf ein kleines Baumwolltuch legen, dieses zubinden. Päckchen auf einer Wärmflasche mäßig erwärmen und so aufs Ohr legen, dass es auch die Gegend rundum noch abdeckt. Mit einer Mütze oder einem Stirnband fixieren. Etwa 20 min drauf lassen, 2- bis 3-mal täglich wiederholen.

So wirkt’s: Die Wärme an sich lindert schon den Schmerz. Außerdem enthalten die Zwiebeln antibakterielle und antivirale Schwefelverbindungen.

7) Dampfinhalation mit Thymian gegen Husten

Wie meine Oma immer sagte: Der Schleim muss raus! Bei einer Erkältung muss man das virenverseuchte Sekret aus den Bronchien abhusten können, um sich vor einer Bronchitis zu schützen. Fest sitzender Husten ist darum der Feind. Das Wichtigste, Du ahnst es schon, ist viel zu trinken, um die Verschleimung zu lockern. Mit Dampfinhalationen und dem krampflösenden Thymian kannst du den Prozess weiter unterstützen.

So geht’s: 2 Liter Wasser aufkochen und soweit abkühlen lassen, dass du es aushältst, den Kopf unter einem Handtuch 5 Minuten über den Dampf zu halten. 1 bis maximal 2 Esslöffel Thymian ins Wasser geben und 5 Minuten inhalieren. 2- bis 4-mal täglich wiederholen.

Achtung: Thymian enthält ätherische Öle. Diese darf man grundsätzlich nicht bei Babys und Kleinkindern anwenden und auch als Erwachsener kann man allergisch reagieren. Darum den Thymian erst mal zurückhaltend dosieren.

So wirkt’s: Schon der Wasserdampf an sich löst das Sekret. Zusätzlich lockern die ätherischen Öle des Thymians festsitzenden Schleim und fördern den Abtransport aus den Atemwegen. Zusätzlich entkrampft der Inhaltsstoff Thymol die Bronchialmuskeln und wirkt schmerzlindernd.

8) Schwitzkur mit Lindenblütentee

Ein bisschen Fieber ist eine gesunde Reaktion bei einer Erkältung, ein Zeichen, dass dein Immunsystem aktiv ist und die Viren bekämpft. Bleibt die Temperatur unter 39 Grad, sollte man Fieber darum nicht sofort senken, sondern lieber eine Schwitzkur machen, um die Abwehr weiter zu aktivieren.

So geht’s: Für eine Tasse Lindenblütentee einen Esslöffel (1 bis 2 Gramm) Lindenblüten mit 150 Milliliter siedendem Wasser übergießen. Zugedeckt fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Abseihen und möglichst heiß und zügig trinken. 2 bis 4 Tassen täglich.

Achtung: Während einer Schwitzkur sollte man nicht frösteln, das würde den Effekt ins Gegenteil verkehren. Darum feuchte, durchgeschwitzte Kleidung stets wechseln.

So wirkt’s: Die Inhaltsstoffe der Lindenblüte sind schweißtreibend. Das Anwärmen der Schleimhäute fördert die Durchblutung und bringt so auch die Abwehrzellen schnell an die richtigen Orte.

Lindenblüten sind außerdem auswurffördernd, leicht beruhigend und schmerzlindernd und daher wohltuend, wenn man sich zum Beginn der Erkältung richtig mies fühlt. Je nach Bedarf kannst du die Lindenblüten auch zu gleichen Teilen mit anderen Kräutern mischen, um bestimmte Wirkungen zu verstärken. Zum Beispiel mit Thymian gegen Husten. Mit Holunder- und Kamillenblüten für die Schwitzkur oder mit Melisse, Hopfen oder Lavendel, um zur Ruhe zu kommen. Aus Lindenblüten lassen sich also im Grunde gleich mehrere Hausmittel gegen die Erkältung zaubern.

9) Hühnersuppe oder Zwiebelsuppe für Vegetarier

Hühnersuppe als Hausmittel bei Erkältung hat Kultstatus. Niemand weiß genau, warum sie wirkt, aber es gibt Hinweise. Wichtig: Sie muss selbstgemacht sein, damit alle Inhaltsstoffe drin sind. Für Vegetarier ist eine Zwiebelsuppe eine gute Alternative.

So geht’s: Ein wunderbares Rezept für eine indische Hühnersupe, die Mulligatawny Suppe, findest du bei uns im Blog. Der besondere Vorteil: Das enthaltene Currypulver ist zusätzlich schweißtreibend und der Ingwer quasi ein Allheilmittel. Für die Zwiebelsuppe empfehle ich die klassische französische Variante, für Vegetarier natürlich mit Gemüsefond statt Rind.

So wirkt: Zunächst einmal liefern Suppen Flüssigkeit, die man bei einer Erkältung in größeren Mengen braucht. Außerdem ist eine Hühnersuppe Schonkost: Sie liefert Energie , ist aber zugleich leicht verdaulich. Ein Laborversuch weist außerdem darauf hin, dass Hühnersuppe entzündungshemnnend wirkt. So eine In-Vitro-Studie ist natürlich kein Beweis, dass es sich beim Menschen auch so verhält, aber ein Anhaltspunkt. Ähnliches gilt für die Zwiebelsuppe. Sie steht hier auf der Liste als Alternative für Vegetarier, weil Zwiebeln ihre antibakteriellen und antiviralen Schwefelverbindungen einbringen.

10) Ruhe – das wichtigste Hausmittel gegen Erkältung

Mit einer Erkältung muss man sich nicht zwangsläufig ins Bett legen. Ein gemächlicher Spaziergang bringt frische Luft an die Schleimhäute und kann sehr gut tun. Körperliche Belastungen sollte man aber auf jeden Fall vermeiden, wenn der Organismus gerade seine ganze Energie darauf verwendet, fiese Viren zu bekämpfen. Wer sich unvernünftig verhält, riskiert eine Herzmuskelentzündung, die lebensbedrohlich werden kann.

So geht’s: Kein Sport, keine anstrengenden Arbeiten, keine Sauna, die den Kreislauf belastet – bis die Erkältung vollständig ausgeheilt ist. Das ist in der Regel nach 7 bis 8 Tagen der Fall. Bettruhe, je nachdem wie man sich fühlt.

So wirkt’s: Der Körper bekommt die Gelegenheit, seine Selbstheilungskräfte zu nutzen, und die brauchen einfach Zeit.

Achtung: Nach den ersten zwei Tagen sollte man sich schon deutlich besser fühlen. Tagelange Mattigkeit und das Gefühl, sich einfach nicht zu erholen, sind ein Zeichen, dass man doch besser zum Arzt gehen sollte. Hausmittel gegen Erkältung helfen einem dann einfach nicht mehr weiter. Ab zum Arzt heißt es auch, wenn starke Kopf-, Hals- oder Ohrenschmerzen nach 2 Tagen nicht besser werden oder sich Druck und Schmerzen in den Nasenneben- oder Stirnhöhlen einstellen, sobald man den Kopf senkt. Ebenfalls bedenklich: Fieber über 38,5 Grad, das länger als 3 Tage anhält (gilt nur für Erwachsene; bei Kinder gelten andere Fieberregeln).

Gute Besserung!

Über uns Alexandra von Knobloch

Journalistin: Gesundheit, Wissenschaft, Medizin. Dozentin Print/Online. Innovationstrainerin mit Design Thinking. Schreibt privat auf: http://healthandthecity.de über Gesundheit fürs digitalisierte Leben.

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